Duftmarketing

Als junges Mädchen liebte ich die kleinen Duftpröbchen und Miniaturen, die Tante Dings und Großtante Bums in die Westpakete packten, um uns eine Freude zu machen. Meine Mutter versammelte die Hübschesten davon im Badezimmer zur Dekoration (aufgebraucht werden durften sie natürlich nicht) und den Rest hortete ich in einem großen Glas und hütete jedes Einzelne wie einen Schatz. Lediglich meine Barbiepuppen bekamen ab und an mal einen Spitzer davon ab, aber nur einen ganz kleinen…
Nach dem Fall der Mauer habe ich es sehr gemocht, wenn man in einer Parfümerie mit neuen Düften eingesprüht wurde (jaaa, ich muss manchmal recht intensiv geduftet haben, aber ich mochte das als 18jährige) oder nach einem Einkauf diese kleinen Duftproben ins Tütchen gepackt bekam. Ich habe sie gesammelt und nur ausgetauscht, wenn sie irgendwann eine seltsame Farbe annahmen.
Mit den Jahren entwickelte ich meinen eigenen Duft-, Kleidungs- und Einrichtungsstil, fand „meine“ Düfte und reduzierte meinen Dekowahn im Badezimmer ganz drastisch. Fortan begann mich jede Duftprobe erst zu stören, dann zu nerven und wie nett es auch gemeint sein mag: wann immer ich heute nach Pröbchen gefragt werde, lehne ich die kleinen Duftphiölchen kategorisch ab. Deshalb gingen auch die Duftmuster in Zeitschriften bisher unbeschnuppert an mir vorbei. 
Jetzt kam es aber, dass ich für eine Anmeldung in einem Fashionportal 1 Jahr lang kostenlos die VOGUE lesen darf. Nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub erwartete mich also mein erstes Vogue-Exemplar und überraschte mich. 
Es duftet. 
Frisch. 
Nach Frühling. 
Wunderbar! 
Bei näherer Betrachtung fiel mir ins Auge, mit welcher Raffinesse die Duftwerbungen mittlerweile gemacht sind. Kein schnöder Duftstreifen mehr. Während Dolce & Gabbana noch recht simpel daherkommt, verschenkt Dior ein kleines Kuvert, in dem ein zauberhaftes Kärtchen steckt, auf dem ein bedufteter Faden einen „Miss Dior“-Flakon zeigt. Lancôme gönnt sich gleich 3(!!!) Seiten Werbung für seinen Duft „La vie est belle“ – die komplette mittlere Seite ist mit eben diesem Duft getränkt. Das hat echt Stil. Und wirkt…. Nicht, dass ich jetzt gleich ein neues Parfum haben müsste. Aber diese Düfte wecken Emotionen. Lassen 1000 Bilder im Kopf entstehen. Gesichter tauchen auf…wem würde dieser oder jener Duft stehen? Geht Werbung heute so???
Egal. Wenn sie so kreativ und schön ist, wie die von Dior und Lancôme, dann hätte ich gern mehr davon. 

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1 comment

  • Stimmt. Die Duftproben in der Parfümerie lehne ich auch meist ab. Inzwischen frage ich gezielt nach Pflegeproben von Marken, die ich tatsächlich kenne, oder die sich sowieso in meinem Bad finden. Dann muss ich auf Reisen zur lieben Verwandschaft nicht alle Tuben und Tiegelchen mitschleppen.

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