Dieses Interview ist ein ganz Besonderes! Ich dachte mir, es wäre doch vielleicht schön, einmal zu schauen, wie sich die Beautyroutinen der Frauen verändert haben, die ich ganz am Anfang dieser Reihe interviewt habe. Mein allererstes Beautyinterview habe ich mit Irit Eser geführt und wem dieser Name nichts sagt, dem sagt vielleicht der Name Fab Forties etwas. In Zeiten, in denen Blogs das Internet für sich eroberten und über eine breite Themenvielfalt informierten, waren die Fab Forties eine absolute Institution!! Irit und Janne galten als die „Mütter“ aller Beautyblogs und für mich sind sie es bis heute geblieben. Entsprechend aufgeregt und ehrfürchtig war ich, als ich die große Ehre hatte, Irit irgendwann persönlich kennenzulernen. Um sie kurz darauf in mein erstes Beautyinterview zu bitten. Und wisst ihr, wie lange DAS her ist?
Ich sag’s euch: 10(!!) Jahre ist das jetzt her. Ich dachte, ich sehe nicht recht, als ich nachschaute, wann Irit mir dieses Beautyinterview gegeben hat. Was auch bedeutet: Das Beautyinterview wird 2026 satte 10 Jahre alt. Na, wenn das kein Grund zum Feiern ist… Ich habe beschlossen, einige meiner Interviewgäste aus den Anfängen dieses Jahres noch einmal hierher zurückzuholen. Gemeinsam mit euch möchte ich schauen, was sich in den letzten zehn Jahren verändert hat. Das wird doch bestimmt spannend – was denkt ihr?
Irit ist ihrer Liebe zu Beautykram treu geblieben und auch, wenn es die Fab Forties nicht mehr gibt, gibt es doch jetzt die Fab50s! Mehr dazu gleich, denn Irit ist heute nicht alleine Interviewpartnerin, sondern hat auch ihre Kollegin Dorit mitgebracht, mit der sie gemeinsam die Plattform Fab50s gegründet hat. Let’s see, was die beiden zu sagen haben. Ich freu mich wie Bolle und wünsche jetzt ganz viel Spaß beim Lesen!
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Irit & Dorit, sagt doch mal …
Warum seid ihr auf die Idee gekommen, die Fab50s ins Leben zu rufen und damit quasi die legendären Fab40s wiederzubeleben?
Irit: Also eigentlich ist das keine Wiederbelebung, sondern ein ganz anderes Format. Aber wir mochten den Namen – also warum nicht?
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Was erwartet Followerinnen und Leserinnen in eurem Format?
Dorit: Unser Magazin Fab50s erscheint für Abonnentinnen jeden Monat als Online-Ausgabe mit insgesamt 20+ Artikeln – von uns beiden und unterschiedlichen Expertinnen geschrieben. Wir haben ganz unterschiedliche Artikel zu allen möglichen Themen: von Schönem wie Beauty, Mode und Kultur über Inspirierendes wie Reisen, DIYs und Coaching bis hin zu Hilfreichem wie Gesundheit, Wechseljahre-Infos, Finanzen und Rezepten. Und dazu haben wir noch ein Forum, in dem unsere Leserinnen sich untereinander und mit uns austauschen können.
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Wie habt ihr zueinander gefunden?
Irit: Auf einem Bloggerevent von Beyer & Söhne! Wir haben uns zufällig im Fahrstuhl kennengelernt und nach zweijährigen “wir sollten mal was zusammen machen” – haben wir schließlich Fab50s gegründet.
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Was verbindet euch?
Dorit: Ganz sicherlich unsere Leidenschaft für Beauty aller Art. Wenn wir uns sehen, können wir ewig über Make-up und Pflege schwatzen. Ansonsten sind wir beide wirklich extrem unterschiedliche Menschen, was auf Arbeitsebene nicht nur bereichernd, sondern auch praktisch ist: Wir haben ganz unterschiedliche Stärken, die sich wunderbar ergänzen. Und erstaunlicherweise kommen wir auf ganz unterschiedlichen Wegen fast immer zu demselben Ergebnis bzw. Vorschlag.
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Stellt ihr euch bitte kurz vor? Was sollen/dürfen die LeserInnen über euch erfahren?
Irit: Ich bin 59, habe Statistik studiert und war danach dreißig Jahre in der Energiewirtschaft. Beautybegeistert war ich schon immer und ich hatte von 2010 bis 2025 meinen Blog Fab40s.de bzw. IritEser.de. Ich bin begeisterte Stepptänzerin (leider nicht so gut wie meine Töchter) und ich liebe Krafttraining. Außerdem lese ich viel, stricke gern und versuche schöne Sachen zu nähen.
Dorit: Ich habe Germanistik studiert und danach als Redakteurin im Bereich Gesundheit gearbeitet. Danach bin ich in die PR gewechselt und hatte 10 Jahre lang einen englischsprachigen Beautyblog. Ich habe mit meinem Mann ein paar Jahre in China gelebt, was mich doch ziemlich geprägt hat, und ich liebe es zu reisen. Ansonsten habe ich Hobbys, bei denen ich mir gern die Hände schmutzig mache und die ein bisschen erden: Ich gärtnere gerne und backe und töpfere, wann immer es geht (zu selten).
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Wie definierst du für dich den Begriff Schönheit? Was empfindest du als schön?
Dorit: Schönheit ohne Leben dahinter ist leer. Und das ist in allen Lebensbereichen so: Ein perfekt symmetrisches Gesicht ohne Charakter oder Charisma ist langweilig, genauso wie der perfekte Sonnenuntergang. Erst die kleinen Wölkchen machen das Bild vom Sonnenuntergang interessant und erst die schiefen Schneidezähne das Lächeln.
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Was ist für dich das Schönste am Älterwerden?
Irit: Schwierige Frage, da gibt es nämlich vieles. Nur eins? Akzeptanz. Es gibt vieles, was ich nicht oder nur bedingt ändern kann. Also nehme ich die Dinge, wie sie sind. Das ist enorm befreiend. Das bedeutet auch, Änderungen im realistischen Rahmen anzustreben oder umzusetzen – egal, worum es sich handelt. Egal, ob bei mir oder bei anderen. Und manche Dinge einfach loszulassen.
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… und worauf könntest du dabei gut und gerne verzichten?
Dorit: Auf all die kleinen und größeren Zipperlein. Meine Haare werden dünner und fallen immer mehr aus, ich habe Arthrose und einige Autoimmunerkrankungen. Und mit dem Alter wird es, finde ich, schwieriger, das alles so wegzustecken, wie ich es früher konnte. Es ist aufwändiger, den Status quo zu erhalten.
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Wechseljahre werden zunehmend in der Öffentlichkeit thematisiert. Wie wichtig findest du öffentliche Aufklärung und den Austausch, der damit einhergeht?
Irit: Toll. Einfach nur toll. Ich hatte mit heftigen Schlafstörungen zu kämpfen und nehme seit Jahren bioidentische Hormone, die Informationen habe ich mir mühsam zusammengesucht. Gefühlt war ich die Einzige weit und breit, die erstens heftige Beschwerden hatte – ich bin teilweise in Besprechungen eingeschlafen – und sich zweitens mit dem Thema befasst hat. Und das muss noch viel weiter gehen, es gibt immer noch zu viele uninformierte Frauen und viel zu wenige gut informierte Ärzt:innen.
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Foto: Michael Haas
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Seid ihr eher Beautyjunkies oder haltet ihr es im Badezimmer eher pragmatisch?
Dorit: Ich wechsle da zwischen beiden Phasen hin und her. Ich habe es wahrhaftig schon geschafft, eine absolute Basis-Skincare-Routine aus drei Produkten zu haben, aber eigentlich bin ich halt ein Beautyjunkie und probiere liebend gern neue Produkte aus. Allerdings bemühe ich mich immer, keine großen Lager aufzubauen – wenn mein Badezimmerschrank voll ist, ist er voll, und dann wird aufgebraucht, ausgemistet und nichts mehr gekauft.
Irit: In Sachen Pflege zwangsweise reduziert – ich vertrage mittlerweile viele Inhaltsstoffe nicht mehr (natürlich die wirksamen Sachen wie Vitamin C, AHA, Retinal/Tretinoin und so weiter) und habe mir über die letzten anderthalb Jahre eine reduzierte Routine zusammengesucht, die meistens funktioniert. Es sei denn, es ist Kälteeinbruch und mein Ekzem meldet sich. Oder Frühling und meine Rosacea blüht. Und ich bin sehr neidisch auf Menschen, die sich ALLES ins Gesicht packen können und KEINE Reaktion haben. Ich möchte auch so gerne neue Sachen ausprobieren, aber ich lasse es lieber.
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Wie habt ihr für euch die passende Pflegeroutine gefunden? Bleibt ihr ihr treu oder wechselt ihr die Routinen auch hin und wieder?
Dorit: Ich würde sagen, meine Basisroutine steht. Durch Ausprobieren habe ich herausgefunden, welche Produkte und Inhaltsstoffe meine Haut mag. Innerhalb dieses Rahmens probiere ich Neues aus. Ich liebe zum Beispiel Toner als ersten Pflegeschritt nach dem Reinigen, und da probiere ich viel aus, während ich eben auch weiß, dass ich die meisten Säuren nicht vertrage, und von denen lasse ich generell die Finger.
Irit: Ich wechsle nichts mehr. Das war wirklich mühsames Trial and Error und ich bin sehr glücklich, dass ich eine gute Reinigung, einen Toner, zwei Seren und eine Creme habe, die funktionieren und die ich gut vertrage. Und BHA, das funktioniert bei mir immer. Ich möchte jetzt nichts zu meinem letzten Retinal-Versuch sagen, es war eine Katastrophe.
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Gibt es ein Beautyprodukt, das für euch ein echter Gamechanger in eurer Beautyroutine war oder ist?
Dorit: Tretinoin und/oder Differin. Ich hatte nie gute, ebenmäßige Haut, und heute frage ich mich, warum ich so lange gezögert und mit Produkten herumgedoktert habe – und eine Menge Geld zum Fenster rausgeworfen habe! Es macht eben einen großen Unterschied, ob man Kosmetik oder ein Medizinprodukt verwendet, und meine Haut hat sich in den letzten Jahren wirklich zum Guten verändert.
Irit: Mein selbstgemachtes Glycerinspray (10-15%). Nie mehr dehydrierte Haut. Ich habe noch nie “pflegende Cremes” gebraucht, fettige Produkte aller Art vertrage ich überhaupt nicht. Aber Feuchtigkeit brauche ich und da ist das Glycerinspray absolut perfekt. Die meisten wissen nämlich nicht, dass Glycerin deutlich besser wirkt als z.B. Hyaluronsäure – es hat nämlich kleinere Moleküle.
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Wir werden ja alle nicht jünger. Wie gehst du damit um, dass sich auch deine Haut mit zunehmendem Alter verändert?
Dorit: Ich bin, glaube ich, mit ganz guten Genen gesegnet, und kann momentan nicht sagen, dass mich die sichtbaren Alterungsanzeichen in meinem Gesicht stören. Das ist natürlich eine luxuriöse Position, aber im Großen und Ganzen bin ich da relaxt. Meine Schlupflider werden natürlich immer schlimmer, aber ich habe vor, die an einem bestimmten Punkt operieren zu lassen, wenn ich mich gar nicht mehr schminken kann!
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Hat sich deine Einstellung zu Hautpflege und Make-up über die Jahre verändert? Was machst du heute anders als vor 10 Jahren?
Irit: Ja und alles. Ich probiere nur noch sehr selten neue Produkte aus (geht meistens schief) und wenn man ehrlich ist: Die wirksamen Sachen sind seit Jahren und teilweise Jahrzehnten bekannt, die “Pflegesensationen” können mich nicht mehr begeistern. Komplettes Make-up benutze ich eher selten, ich habe auch nicht mehr viele Produkte. Nur roter Lippenstift, den liebe ich sehr und trage ihn auch oft – gerne auch ansonsten ungeschminkt. MIt der richtigen Farbe sieht es einfach nur gut aus.
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Eins meiner Beautymantren lautet: Tuschen Baby, Tuschen! Verratet ihr uns, welches eure liebste Mascara ist und warum?
Dorit: Lancôme Hypnôse und darüber (der wichtigste Schritt für Halt) die japanische Heroine Make Curl & Volume Extra Waterproof. Hält bombenfest, was mir wichtig ist, denn gefühlt hält auf meinen Augen nichts länger als drei Stunden, ohne zu verschmieren.
Irit: “Kitten Lash Mascara” in Burnt Umber von Lisa Eldridge. Macht tolle Wimpern, etwas länger, aber nicht übertrieben voluminös. Die “Pornowimpern” von früher mag ich eh nicht mehr. Genau wie schwarze Mascara, mir ist das zu viel Kontrast. Hält super, übersteht auch Regenschauer und Sport und lässt sich trotzdem gut entfernen.
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Wer oder was inspiriert dich?
Dorit: Frauen, die sich auch im Alter nicht klein machen und mit so einer gewissen ‘Fuck off’-Aura durch die Welt gehen. Die nicht unbedingt Konventionen entsprechen und einfach ihr Leben leben. Das möchte ich auch können!
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Gibt es einen Tipp, den du Frauen in den Wechseljahren aus eigener Erfahrung mit auf den Weg geben magst?
Oder wenn du noch nicht oder erst in einer frühen Perimenopause bist: Welcher Tipp, denkst du, wird dich gut durch deine Wechseljahre begleiten?
Irit: Diffuse (und auch massive) Beschwerden nicht ignorieren oder mit dem Alter erklären. Das hat in vielen Fällen wenig mit dem Alter und viel mit einer Hormonmangellage zu tun. Das gilt übrigens auch für ständige Blasenentzündungen oder Schmerzen beim Sex, da gibt es Hilfe.
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Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?
Dorit: Viele Dinge entspannter angehen. Und: nicht immer in die Vergangenheit schauen und sich fragen, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat!
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Was wünschst ihr euch für die Beauty-Zukunft?
Dorit: Können wir Trends wie Clean Beauty und Reef/Ocean Safe vielleicht jetzt endlich begraben? Beide setzen komplett willkürliche Parameter als Marketinginstrumente, und das geht mir so unendlich auf die Nerven. Nichts davon ist wirklich evidenzbasiert, und während beide Trends Verbraucherinnen sicherere Produkte versprechen, machen sie Produkte nicht sicherer, sondern schlechter.
Irit: Mehr unbeduftete Produkte. Creme und Make-up sind zwar in gewisser Weise ein Wellnessprogramm, aber z.B. sind so einige ätherische Öle Allergieauslöser (die sind ja nicht umsonst deklarationspflichtig) und bei mir sorgt das im besten Fall für Unbehagen, im schlimmsten Fall für Rosacea- und Ekzemausbrüche. Und viele neue Sachen von Lisa Eldridge, ich bin ein Fan.
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Wenn euch das Interview gefallen und/oder inspiriert hat, lasst Irit und Dorit gerne ein paar Zeilen in einem Kommentar da!
