Auch das Beautyinterview ist wieder aus dem Sommerurlaub zurück. Habt ihr es ein bisschen vermisst? Ich hoffe es! Die Pause habe ich genutzt, um das Interview noch ein klitzekleines bisschen zu verändern und neue Fragen einzubauen, damit ihr jede Frau, die hier porträtiert wird, nicht nur durch ihre Beautyroutine, sondern auch von ganz anderen Seiten kennenlernen könnt. Denn wir alle werden älter, und mit den Jahren definieren wir uns neben Äußerlichkeiten über noch viele andere Facetten – so wie ich und ihr. Diese möchte ich künftig in den Interviews noch ein bisschen deutlicher unterstreichen. Der Blick in den Spiegel wäre nämlich etwas einseitig.
Viele von euch habe ich mit den zeitlosen und hochwertigen Styles des tollen kleinen Hamburger Labels Onedaybaby angefixt. Die schönen Merino/Kaschmir-Plaids sind wirklich unverwechselbar und begleiten mich in vielen Monaten des Jahren und immer auf Reisen. Und nachdem so viele von uns schon Lieblingsstücke der Marke im Schrank haben, dachte ich, es sei an der Zeit, euch die Onedaybaby-Gründerin Sabine Enders mal ein bisschen genauer vorzustellen. Sabine bleibt eigentlich lieber im Hintergrund, aber für uns hat sie eine Ausnahme gemacht und ich verspreche euch ein spannendes und abwechslungsreiches Interview!
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Sabine, sag doch mal…
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Stellst du dich bitte kurz vor? Was sollen/dürfen die LeserInnen über dich erfahren?
Ich heiße Sabine Babette Enders, bin 57 Jahre alt, verheiratet und habe drei Kinder (eine Tochter und zwei Söhne – 22, 20 und 18 Jahre alt). Vor nicht ganz sechs Jahren habe ich mich beruflich noch einmal ganz neu erfunden: Nach vielen Berufsjahren als Führungskraft im Konzern und angestellte Geschäftsführerin habe ich mein eigenes Label „Onedaybaby“ gegründet.
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Du führst dein Label ONEDAYBABY mit ausgesuchten Styles, die in kleiner Stückzahl sorgsam in Europa gefertigt werden. Wie ist die Idee für ODB entstanden?
Die Idee ist während meiner Auszeit entstanden – nach der Trennung von meinem letzten Arbeitgeber habe ich mir bewusst Zeit eingeplant, in der ich zur Ruhe kommen und herausfinden wollte, wie und was ich als nächstes arbeiten möchte. Ich habe diese Zeit in unserem kleinen Haus in Südfrankreich in den Bergen verbracht und war zum ersten Mal in über 20 Jahren für eine Weile ganz allein dort. Mir wurde relativ schnell bewusst, dass ich nicht wieder in ein weiteres Angestelltenverhältnis wechseln möchte.
Nachdem ich diese Entscheidung getroffen hatte, ist ganz viel Motivation durch dieses Gefühl „Jetzt oder nie“ entstanden – so viel zum Thema „die Mitte das Lebens“. Es ist ja so, dass es für bestimmte Entscheidungen im Leben bestimmte Zeitfenster gibt (Stichwort Kinder) und wenn man diese verstreichen lässt, dann ist es irgendwann zu spät. So ist übrigens auch der Name für mein Label entstanden, ganz im Sinne des Songs „One day, baby, we’ll be old“.
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Was ist deine Mission mit deiner Marke und was ist das Besondere an ODB?
Mission ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber ein paar Dinge liegen mir sehr am Herzen: die Produktion in Europa bei kleinen inhabergeführten Manufakturen und klassischen Familienbetrieben, keine Kompromisse in der Qualität und auf keine Farben oder Styles, die nur für eine Saison relevant sind. Ich lege allergrößten Wert darauf, dass jedes Onedaybaby-Produkt grundsätzlich immer das Zeug zum Lieblingsteil hat.
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Wie entstehen die zeitlosen und kombinierbaren Styles?
Meistens entwickle ich Looks und Styles, die mir selbst fehlen, die ich wichtig finde und die meine Bedürfnisse erfüllen. Dabei hat sich gezeigt, dass dieser Anspruch glücklicherweise von vielen Frauen geteilt wird. Ich finde es elementar, dass Kleidung einem persönlich guttut – das ist im Grunde der gleiche Anspruch wie bei guter Kosmetik.
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Liebst du es, ein Nischenlabel zu sein, oder denkst du zukünftig auch größer?
Onedaybaby ist derzeit fast ausschließlich eine DtC Marke (direct to consumer). Das bedeutet, wir kontrollieren den Vertrieb über unseren eigenen Onlineshop. Diese Arbeitsweise hat den großen Vorteil, dass man die komplette Kontrolle über Look & Feel der eigenen Marke behält und die Wünsche und Bedürfnisse der Kundinnen unmittelbar erfahren kann.
Ich könnte mir durchaus vorstellen, Onedaybaby mittelfristig auch bei ausgesuchten Händlern zu präsentieren. Dazu braucht es natürlich unbedingt die richtigen Partner, wenn es soweit ist. Inzwischen bin ich auch bei solchen Themen eher gelassen und gehe davon aus, dass sich zu gegebener Zeit die eine oder andere Möglichkeit bieten wird.
In den nächsten Wochen werden wir jedenfalls viele großartige neue und bekannte Lieblingsteile bei Onedaybaby launchen, die Lust auf die kühlere Zeit machen – zum Beispiel unsere Cashmere-Merino Plaids in neuen Farben und viele wunderschöne Strick-Styles.
Im Oktober darf man dann auf eine luxuriöse und sehr besondere ODB-Kapsel-Kollektion gespannt sein, die wir in einer spannenden Kooperation entwickelt haben. Natürlich made in Italy.
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Wie definierst du für dich den Begriff Schönheit? Was empfindest du als schön?
Da wir hier über Beauty sprechen wollen, meinst du sicher, welche Menschen ich schön finde – tja, das lässt sich nicht so einfach beantworten. Aber ich denke, dass ich grundsätzlich eher auf Typen stehe und weniger auf Norm-Schönheit. Ich finde Menschen meistens dann schön, wenn sie sehr authentisch und bei sich sind und wenn sie etwas Besonderes an sich haben, zum Beispiel fand ich Lauren Hutton schon immer wunderschön. Tatjana Patitz, Penélope Cruz, Inès de la Fressange und Sophie Marceau sind für mich allesamt wunderschöne Frauen und da gibt es auch noch viele mehr.
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Was ist für dich das Schönste am Älterwerden?
Ich finde es nicht so leicht und ich genieße das Älterwerden auch nicht. Oft denke ich, ich bin doch eigentlich viel jünger. Aber mir ist natürlich klar, was für ein Privileg das Älterwerden ist und dafür bin ich auch sehr dankbar. Eine sehr schöne Begleiterscheinung ist vielleicht die Gelassenheit? Ich würde schon von mir sagen, dass ich heute cooler und entspannter bin, als noch mit Ende 40 oder auch Anfang 50 – überhaupt, 50 Jahre alt zu werden, das hat mich damals schon ganz schön gestresst. Ich habe deshalb auch erst den 51. Geburtstag groß gefeiert…
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… und worauf könntest du dabei gut und gerne verzichten?
Auf fast alles! Vor allem die körperliche Veränderung – dass es auf einmal Einschränkungen beim Sport gibt, weil Knie und Sprunggelenk das Joggen nicht mehr mögen. Das nervt mich schon massiv und ich versuche auch, dagegen anzutrainieren. Ich habe natürlich auch optische Themen, die mich stören, aber diese körperlichen Verschleißerscheinungen finde ich viel schlimmer, weil sie mich einschränken, und darauf habe ich überhaupt keine Lust!
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Die Wechseljahre werden zunehmend in der Öffentlichkeit thematisiert. Wie wichtig findest du öffentliche Aufklärung und den Austausch, der damit einher geht?
Ich finde gut, dass es kein Tabuthema mehr ist und ich finde toll, dass es Ärztinnen wie Sheila de Liz gibt.
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Bist du eher ein Beautyjunkie oder hältst du es im Badezimmer eher pragmatisch?
Vermutlich bin ich das Gegenteil eines Beautyjunkies, wenn es das gibt. Ich mache wenig und kann mich leider überhaupt nicht gut schminken. Ich mag auch das Gefühl von Produkten wie Make up oder Concealer in meinem Gesicht nicht.
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Wie hast du für dich die passende Pflegeroutine gefunden? Bist du ihr treu oder wechselst du die Routinen auch hin und wieder?
Ich wechsle immer mal wieder. In den letzten Jahren ist meine Haut, vor allem im Winter, gefühlt jedes Jahr trockener geworden. Nach einer Weile funktionieren manche Produkte dann einfach nicht mehr so gut.
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Gibt es ein Beautyprodukt, das für dich ein echter Gamechanger in deiner Beautyroutine war oder ist?
Ja, das gibt es tatsächlich. Ich habe die Marke Niche Beauty Lab entdeckt und die machen unter anderem wirklich tolle Feuchtigkeitsprodukte.
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Wir werden ja alle nicht jünger. Wie gehst du damit um, dass sich auch deine Haut mit zunehmendem Alter verändert?
Das Hautthema stört mich weniger oder vielleicht ist es bei mir auch weniger schlimm, weil ich mit meiner Haut eigentlich recht zufrieden bin. Mich stören andere Dinge mehr: Mundwinkel, die nach unten zeigen, schwindende Elastizität, mein Sprunggelenk, meine schmerzende linke Schulter – ich muss aufhören!
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Hat sich deine Einstellung zu Hautpflege und Make up über die Jahre verändert? Was machst du heute anders als vor 10 Jahren?
Ich glaube nicht, dass meine Einstellung sich grundlegend verändert hat. Vor 10 Jahren hat mich das Älterwerden deutlich mehr angestrengt als heute und das ist doch eigentlich eine gute Nachricht, oder? Vielleicht muss man beim Altern auch einen bestimmten individuellen Berg überqueren und wenn man den bezwungen hat, wird es danach wieder etwas leichter? Keine Ahnung, ob das für jede Frau so passt, aber ich war vor zehn Jahren in Bezug auf mein Alter und mein Aussehen auf jeden Fall angestrengter als heute.
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Eins meiner Beautymantren lautet: Tuschen Baby, Tuschen! Verrätst du uns, welches deine liebste Mascara ist und warum?
Haha – ich tusche nicht! Auch so ein Ding, das ich nicht kann und noch nie konnte! Ich habe vor Jahren irgendwann mit Wimpernextensions angefangen – ich weiß, das hört sich schrecklich an – muss es aber nicht sein. Wichtig ist dabei einfach nur, dass man eine Kosmetikerin findet, die nicht nach dem Motto „Mehr ist mehr“ arbeitet. Ich trage immer die kürzeste Länge und nur ganz wenige Wimpern – dann ist es für mich die perfekte Lösung! Kein Schminken, kein Abschminken – einfach ready, das liebe ich sehr.
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Wer oder was inspiriert dich?
Eigentlich alles! Ich finde Inspiration oft beim Reisen, sehr gern im Café sitzend und Menschen beobachtend. Auch Filme, Ausstellungen und Bücher gehören für mich unbedingt immer dazu. Außerdem die Arbeit oder das Lebenswerk von Designerinnen und Künstlerinnen, die ich verehre, allen voran z.B. Jil Sander. Aber mit Abstand am stärksten inspirieren mich interessante Gespräche und ehrlicher Austausch. Ich habe einige sehr gute Freundinnen, für die ich unglaublich dankbar bin und die mich immer wieder neu begeistern. Außerdem empfinde ich die Nähe zu meinen Kindern und deren Freunden als sehr bereichernd und immer wieder aufs Neue spannend!
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Gibt es einen Tipp, den du Frauen in den Wechseljahren aus eigener Erfahrung mit auf den Weg geben magst?
Kein Tipp, weil das Thema so individuell ist – aber ich nutze schon lange naturidentische Hormone und bin damit sehr happy. Oder doch ein Tipp: Unbedingt den Gynäkologen wechseln, wenn das Gefühl aufkommt, dass Beschwerden abgetan werden, oder dass man etwas „aushalten“ sollte.
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Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?
Ach Bine, go with the flow und nicht immer mit dem Kopf durch die Wand – es wird mit Gewalt nicht einfacher und manche Veränderung braucht einfach nur viel mehr Zeit.
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Was wünschst du dir für die Beauty-Zukunft?
Ich wünsche mir von Herzen, dass nicht alle Frauen denken, sie müssten einem imaginären Schönheitsideal entsprechen und dafür 1.000 Dinge tun, die ihnen nicht guttun. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin keineswegs gegen Botox oder Filler, im Gegenteil, ich finde es wunderbar, dass es diese Möglichkeiten gibt! Es irritiert mich jedoch, dass sich viele, insbesondere sehr junge Frauen, Eingriffe vornehmen lassen, von denen sie glauben, dass sie notwendig sind, um einer Norm oder einem Trend zu entsprechen.
Für mich persönlich wünsche ich mir, dass ich noch gelassener werde und dass mich mein grundsätzliches Gefühl von Zufriedenheit beziehungsweise Wohlgefühl in meiner Haut noch lange begleitet.

Danke für dieses spannende und inspirierende Interview! Es hat mir solchen Spaß gemacht zu lesen ❤️
Was für ein tolles Interview mit einer so interessanten Frau!! Ich habe schon ganz viele Teile von Onedaybaby die ich sehr liebe Ich mag das Label, weil man spürt, wieviel Liebe, gute Gedanken und Wertigkeit hinter den Produkten steckt – toll, dass auch nicht alles auf „größer, schneller, weiter“ ausgerichtet ist. Danke für das Interview und die Einblicke!!!
Wieder ein sehr schönes Interview. Vielen lieben Dank dafür, dass du uns jeden Sonntag mit deinem Newsletter das Frühstück aufwertest. Ich freue mich jede Woche drauf.
Danke für dieses wundervolle Interview … ❤️
Ich kann mich persönlich sehr darin wiederfinden. Tut unwahrscheinlich gut zu wissen, dass es andere Frauen gibt, die ähnlich fühlen und denken! Einen schönen Sonntag euch allen. Angelika
Vielen Dank für dieses ehrliche und inspirierende Interview. Mir gefällt das neue Format ausgesprochen gut.
Vielen Dank für das offene und ehrliche Interview. Hier zeigt sich, dass wahre Schönheit auch ohne Make up auskommt.
Zwei tolle Frauen im Austausch :
Der Sonntag ist gerettet