Werbung – Alle Büchertipps in diesem Artikel sind verlinkt, sodass ihr nicht selbst im Internet danach suchen müsst. In der Schminktanten-Redaktion wird niemand für diese Büchertipps in irgendeiner Weise bezahlt. Es sind reine Herzensempfehlungen.
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„Wer die Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“
Diesen Satz hat der spanisch-amerikanische Philosophen George Santayana gesagt. Deshalb lege ich euch heute drei auf historischen Tatsachen beruhende Romane ans Herz, die mich bewegt und berührt haben (rein zufällig geht es nur um Frauen, die Geschichte geschrieben haben 😉)– ich hoffe, euch wird es auch so gehen! Ob fiktiv oder mit realem Vorbild, sie sind alle drei auf ihre Art besonders.
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Titus Müller
Die Dolmetscherin
Bayern, 1945. Der Zweite Weltkrieg ist beendet, die Siegermächte haben Deutschland besetzt und die Amerikaner verhören Nazigrößen, um ein aufsehenerregendes Gerichtsverfahren, heute bekannt als die Nürnberger Prozesse, vorzubereiten. Mittendrin Asta, eine junge Deutsche, die in die USA ausgewandert ist und nun hier dolmetschen soll. Und sie hat eine ganz eigene Agenda und Wünsche, wie vor allem mit Hermann Göring umgegangen werden soll. In Die Dolmetscherin geht es um alltägliches Leid nach Kriegsende. Abwesende Väter, Verschwörungen, Angst und Not, tiefe Wunden und Sehnsucht nach Normalität prägen die Gefühlslage vieler. Und gleichzeitig ist da kollektive Abwehr, bis Bilder um die Welt gehen, die das Leid in den KZs zeigen. In der Folge dieser Prozesse entstanden die Erklärung der Menschenrechte 1948 und die Genfer Konventionen 1949, um menschlichere Kriegsführung zu garantieren – falls es so etwas jemals geben kann.
Ohne voyeuristisch zu sein, zeigt Die Dolmetscherin an wenigen Personen, wie es 1945 in vielen aussah – und macht die Nürnberger Prozesse greifbar. Neben den Angeklagten erleben wir auch die Ankläger, Staatsanwälte und Verhörende ganz nah, inklusive einzelner Verhandlungen zwischen den Siegermächten, wer wen verhören darf.
Titus Müller „Die Dometscherin“
Heyne Taschenbuch
17 €
Passend dazu startete am 23.04. der Film „Nürnberg“ mit Russell Crowe als Göring. Ich habe den Trailer gesehen und ihn auf meine Watchlist gesetzt. Wir bleiben in der gleichen Zeit, gehen aber gedanklich von Deutschland nach Italien und sehen mit meinem zweiten Tipp für euch dem beruflichen Wandel zu:
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Francesca Giannone
Die Briefträgerin
Sucht ihr nach einem Roman, der euch das Italien der Jahre 1934 bis in die späten 50er hinein näherbringt? Francesca Giannone erzählt hier, angelehnt an das Leben ihrer Urgroßmutter Anna, die die erste Briefträgerin Italiens war, das Leben einer italienischen Großfamilie und eines ganzen Dorfes. Anna kommt als Norditalienerin neu in das süditalienische Dorf ihres Mannes Carlo und gilt überall als fremd und neu. Sie ist schön, stellt vieles in Frage, freundet sich mit Menschen an, die am Rand stehen, und hat Ideen, sogar Ambitionen! Unerhört für eine Frau dieser Zeit, vor allem in Süditalien. Wieso kann sie sich nicht einfügen, ruhig sein, wegsehen und Pasta machen? Anna will so viel mehr und so wird sie nicht nur die erste Briefträgerin Italiens, sondern auch Ratgeberin für Nichte und viele andere im Dorf, die sich schon gar nicht mehr nach Rat und Hilfe zu fragen wagten. Die Briefträgerin ist eine unterhaltsame, leichte Geschichtsstunde voller Familien- und Dorfgeheimnisse mit großer Erzählfreude und ein, zwei ernsten Tönen.
Francesca Giannone: „Die Briefträgerin“
btb Taschenbuch
18 €
Ein paar Jahre davor wurde im Vereinigten Königreich Geschichte geschrieben mit den ersten Studentinnen, die ihren Abschluss machen konnten in Oxford. In Deutschland durften Frauen übrigens seit 1909 studieren, seit 1900 im Großherzogtum Baden.
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Joanna Miller
Die Frauen von Oxford
Wusstet ihr, dass das Wort Freund vom angelsächsischen „friohon“ kommt, das lieben bedeutet und gleichzeitig die sprachliche Wurzel von frei ist? Freundschaft ist ja eigentlich nichts anderes als Liebe minus Anziehungskraft, meiner Meinung nach. Um vier Freundinnen geht es in Die Frauen von Oxford: Ottoline, Beatrice, Theodora und Marianne sind 1920 unter den ersten Frauen, die in Oxford als reguläre Studentinnen eingeschrieben werden. Die Frauen in den Jahren davor durften zwar zuhören und zum Teil Prüfungen ablegen, erhielten aber keinen akademischen Grad, egal, wie gut sie waren. Diese Ungerechtigkeit wird 1920 beseitigt und die vier Frauen sind sich des historischen Moments bewusst – und der Frauen, die vor ihnen darum gekämpft haben (Cambridge hat erst im Jahr 1948 nachgezogen!). Jede von ihnen möchte etwas ganz Eigenes aus ihrer Zeit mitnehmen und hat ihre eigene Geschichte, ihre Herkunft, ihre Wünsche und Hoffnungen, die sie mit uns teilen. Wir lernen einiges über die Zeit, die Suffragettenbewegung, über Erwartungen an Frauen, Mode, Ausdrucksweise, Konventionen, Regeln an einer der ältesten und traditionellsten Universitäten Europas und sehen Hoffnungen und eine zarte, langsame Liebesgeschichte – aber vor allem geht es um Zusammenhalt und warme tiefe platonische Zuneigung zwischen vier ganz unterschiedlichen Frauen. Obwohl fiktiv, konnte ich mir die Vier richtig gut vorstellen und wünsche ihnen nur das Beste. Vielleicht gibt es ja bald Band 2?
Joanna Miller: „Die Frauen von Oxford“
FISCHER Taschenbuch
12 €
Jetzt sind wir geschichtlich nach Nürnberg, Italien und ins Vereinigte Königreich des zwanzigsten Jahrhunderts gereist, waren bei entscheidenden Momenten der Emanzipation und der Weltgeschichte dabei und ich hoffe, es hat euch gefallen und inspiriert. Die Welt der historischen Romane ist so breit und bunt, hier fiel es mir richtig schwer, eine Auswahl zu treffen. Wer nicht nur einen Einzelband möchte, dem lege ich jetzt noch Die Hafenärztin-Reihe von Henrike Engel ans Herz über eine der ersten praktizierenden Ärztinnen Deutschlands, die zusammen mit einem engagierten Polizisten in jedem Band einen Kriminalfall löst und ganz nebenbei das Hamburg des frühen zwanzigsten Jahrhunderts mit ihrer unkonventionellen Haltung auf den Kopf stellt.
War etwas für euch dabei? Welches Buch darf bei euch einziehen?
Und weil wir ja hier thematisch auch immer für EUCH schreiben, lasst doch gerne einen Kommentar da: Welche Themen interessieren Euch literarisch in den nächsten Büchertipps?
