In Zeiten wie diesen bemerken wir einmal mehr, wie wütend wir manchmal sind. Nicht, weil die Kinder wieder ihre halbvollen Gläser auf dem Tisch haben stehenlassen, weil der Mann die Klobrille nie runterklappt oder der Chef unsere coole Idee mit einem abschätzigen Lächeln vom Tisch fegt. Sondern als Frau in der Gesellschaft. Wütend, weil wir auch 2026 immer noch zu wenig ernst genommen werden, zu wenig gute medzinische Behandlung erfahren, immer noch nicht genauso viel verdienen wie unsere männlichen Kollegen, und und und … wir haben uns gefragt, ob sich unsere Wut in moderner Literatur widerspiegelt. Und ja: Franzi ist fündig geworden und stellt euch heute drei Titel vor, in denen es um weibliche Wut geht.

Bereit? Dann los!


Wie sollen Frauen sein? Gepflegt, leise, zugewandt, harmonieorientiert, freundlich, schlichtend, nicht zu viel erwartend und so viel mehr. Was sollen Frauen nicht sein? Raum einnehmend, wütend, laut, fordernd – so und so ähnlich wird uns das an vielen Stellen erzählt. Ich habe drei Romane herausgesucht, in denen Frauen aktiv Normen und Erwartungen brechen, und wünsche euch viel engagierte Freude beim Lesen und beim Spüren – lösen sie etwas aus? Und wenn ja, was?

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Büchertipps im Juni 2026 auf schminktante.de. Franziska Kurz kuratiert 3 Bücher über weibliche Wut. Lesen, Buch, Lesetipps, Büchertipps,
Mareike Fallwickl, Und alle so still

Mareike Fallwickl
Und alle so still


An einem ganz normalen Tag ruft Elins Mutter sie an und bittet sie, nach der ihr unbekannten Großmutter zu sehen – irgendwas geht da vor. Elin folgt, wie sie immer ihrer Mutter folgt – und sieht, dass ihre Großmutter, zusammen mit anderen Frauen, auf dem Krankenhausparkplatz liegt. Ganz still. Keine sichtbaren Verletzungen, kein Virus, keine Protestschilder. Was ist geschehen? Frauen im ganzen Land legen sich hin, in Parks, vor Schulen, Krankenhäusern und stehen nicht mehr auf. Manchmal reden sie miteinander. Aber sonst: nichts. Die Männer sind ratlos. Hier wird gegen kein Gesetz verstoßen, niemand kann die Frauen dazu zwingen, aufzustehen, einzukaufen, sich zu kümmern, zu pflegen, zu versorgen, zu arbeiten. Aber wer tut dann all diese, so lange unsichtbare, Arbeit?
Und kann man wirklich etwas verändern, ohne laut zu werden, ohne sichtbare Forderungen, ohne zu erklären? Ruth, Barbara, Elin und viele, viele andere sind müde. Vom immer wieder erklären, dass das System, in dem wir leben auf unsichtbarer und erwarteter Sorgearbeit beruht, die immer wieder abgewertet werden. Wenn sich sowieso nichts ändert, kann man es ja auch gleich sein lassen. Und so lassen sie es einfach sein. Was dann geschieht, ist immer wieder heilsam und magisch, aber auch erwartbar tragisch an so mancher Stelle. Konsequentes Weiterdenken von „Wir sollten einfach mal streiken“ ist eine literarisch wunderbare Erfahrung.
Mareike Fallwickl habe ich mit „Das Licht ist hier viel heller“ für mich entdeckt und sie für ihre genauen Beobachtungen und Wortspielereien von Anfang an gemocht. Ihr Roman „Die Wut die bleibt“, wurde verdient ein Bestseller und an verschiedenen Theatern aufgeführt. Mit „Und alle so still“ wird noch deutlicher, worum es ihr geht: Weibliche Geschichten und Erleben in den Mittelpunkt zu denken mit einem unmöglich erscheinenden Anfangspunkt und viel „was wäre, wenn …“.

Mareike Fallwickl: „Und alle so still“
Rowohlt Verlag GmbH
23 €

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Das für mich härteste Buch in dieser Auswahl ist das folgende Sachbuch – so viel klar artikulierte, persönliche Wut auf das System, in dem wir leben, ist mutig und deutlich!

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Büchertipps im Juni 2026 auf schminktante.de. Franziska Kurz kuratiert 3 Bücher über weibliche Wut. Lesen, Buch, Lesetipps, Büchertipps, Emilia Roig, Why we matter

Emilia Roig
Why we matter


Wenn ihr mal so richtig ausrasten wollt – aber das Ganze mit Fakten unterfüttert – ist Emilia Roig eure Frau. Sie hat einen Doktorgrad in Politikwissenschaften, forscht unter anderem zu systemischer Ungleichheit, Intersektionalität, Wiedergutmachung und der Verteilung von Sorgearbeit. In „Why we matter“, das 2021 zum Bestseller wurde, bringt sie ihre Expertise aus all ihrer Forschungsarbeit ein und verschafft ein gesamthaftes Bild von Diskriminierungsformen auf allen gesellschaftlichen Ebenen, ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte. Beginnend mit Rassismus in der eigenen Familie (ihre Mutter ist Schwarz, ihr Vater weiß und ihr Großvater väterlicherseits im rechtsextremen Front National engagiert, was ihn aber seiner Meinung nach nicht zum Rassisten macht), geht es weiter zu struktureller Diskriminierung an Bildungseinrichtungen, in der Kriminalistik, in den Medien (wer entscheidet darüber, was wir schön finden und wieso ist das hellhäutig und schlank über fast alle Kontinente hinweg?), Gesundheitseinrichtungen und in allen Alltagssituationen. Wusstet ihr, dass sich im Gesundheitssystem hartnäckig das Vorurteil hält, das Schwarze Menschen weniger Schmerzen empfinden würden und deshalb weniger Schmerzmittel erhalten, weniger krankgeschrieben werden und ihnen öfter unterstellt wird, dass sie übertreiben?
Für mich als weiße Frau waren meine blinden Flecken, die ich vor allem in Bezug auf internalisierte Vorurteile, echt schwer auszuhalten. Aber ich arbeite an mir.

Ihre für mich überraschende Lösung?

Liebe. Zusammenhalt. Unterstützung.
Nicht lauter schreien, sondern nebeneinander gehen und diejenigen unterhaken, die keine Stimme haben.

Schwarz wird als politisch-soziale Selbstbezeichnung übrigens großgeschrieben, wie ich in diesem Buch gelernt habe, nicht klein wie die Farbe. Um Respekt zu zeigen, habe ich das deshalb auch in diesem Kontext auch getan.

Emilia Roig: „Why we matter“
Aufbau Taschenbuch Verlag
14 €

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Von Wissenschaft zu tatsächlicher Geschichte. Im nächsten Buch geht es um echte Gesetze und Gegebenheiten, literarisch aufbereitet.

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Büchertipps im Juni 2026 auf schminktante.de. Franziska Kurz kuratiert 3 Bücher über weibliche Wut. Lesen, Buch, Lesetipps, Büchertipps,
Kathryn Stockett, Club der Unbeugsamen

Kathryn Stockett
Der Club der Unbeugsamen


Die Südstaaten der USA, 1933: Prohibition, Rassentrennung, große Depression. Massen von Menschen verlieren ihre Arbeit, ihre Häuser, ihre Zuversicht. Mittendrin drei sehr verschiedene junge Frauen: Birdie, die ihre jüngere, wohlhabende Schwester um Geld bitten muss, damit ihr Elternhaus nicht wegen Steuerschulden gepfändet wird. Meg, die im Waisenhaus gelandet ist, als ihre Mutter nicht zurückkam und Charlie, die gerade frisch der Hölle von Gefängnis entkommen ist.
Was sie vereint: die Wut auf ein System, das kein Mitgefühl hat und der Wunsch, es besser zu haben. Und so machen sie aus allem und nichts eine Chance. „Der Club der Unbeugsamen“ macht auf gut 840 Seiten ein Porträt der USA in den dreißiger Jahren auf und zeigt die verschiedensten Welten. Von Wohlstand zu bitterster Armut, von aus verschiedensten Arten unglücklicher Ehen und dazwischen ein bisschen (Liebes)Glück, von Gesetzen, die wir uns heute zum Glück nicht mehr vorstellen können liest es sich bunt, spannend, geht ans Herz und bleibt da.
Die Autorin von „Gute Geister“, verfilmt als „The Help“ arbeitet sich historisch tief in ihre Figuren und die Zeit ein und hält einer mitleidlosen Welt den Spiegel vor. Wenn die Rahmenbedingungen und Gesetze unbarmherzig sind, gnadenlos benachteiligen und ganz nach Belieben ausgelegt werden können, ist eben nichts Christliches und Gutes mehr an vermeintlicher Wohltätigkeit, die das System unterstützt.
Ich habe am Ende schlimmer geseufzt und geheult als bei jedem Katzenvideo, das ich kenne. Und das heißt etwas!

Kathryn Stockett: „Der Club der Unbeugsamen“
Btb
28 €

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Wir entlassen euch mit diesem Beitrag also nicht ganz leicht und romantisch in die Sommerpause, sondern hauen literarisch nochmal ordentlich auf den Tisch. Vielleicht war ja etwas für euch dabei? Lasst ihr euch von diesem geballten Aufbegehren anstecken und wenn ja, wie? Nehmt ihr ein „wütendes” Buch mit in den Urlaub oder soll es im Sommerurlaub lieber leicht und problemlos zugehen?

Habt einen wunderbaren Sommer! Wir lesen uns im September wieder – dann auch wieder mit einer großen Portion toller Lektüre. Wie immer sind wir auch im Bereich Bücher offen für Themen, für die ihr euch interessiert. Schreibt uns gerne in die Kommentare, welches Genre oder Thema Franzi für euch erkunden soll!

Alles Liebe,
Eure Anja, Franzi und Gabi

Titelbild: Enging Akyurt/Pixabay

2 Kommentare

  1. Bea 28/06/2026 at 13:42- Antworten

    Mareike Fallwickel schreibt fantastisch über dieses Thema….habe und alle so still und die Wut diw bleibt gelesen….kann ich nur empfehlen

  2. Susanne 29/06/2026 at 22:26- Antworten

    Vielen Dank

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