# REFUGEES WELCOME!

Berlin, Meldestelle für Ostflüchtlinge
Wer heute einen fröhlichen Beitrag zu einem neuen Produkt oder Trend erwartet, den muss ich enttäuschen. Damit geht es erst Mittwoch weiter.

Es wird wiedermal ernst auf dem sonst so heiteren Blog der Schminktante. Ich möchte meine Gedanken mit euch teilen und wissen, was ihr aktuell zum Thema Flüchtlinge und Flüchtlingshilfe denkt.

#refugees welcome

Seit vielen Tagen und Wochen kommt keiner von uns an diesem Thema vorbei: Menschen verlassen ihre Heimat. Sie flüchten auf teilweise halsbrecherische Art und Weise aus ihrem Zuhause und hoffen auf Hilfe in Europa. Viele schaffen es nicht und sterben auf dem Weg in die ungewisse Zukunft. Täglich geistern neue Schreckensbilder durch die Medien und sind doch trotzdem oft recht weit weg von uns. In unserer kleinen, heilen Welt schreien wir auf „Ach wie furchtbar!“, „Ach wie schlimm und schrecklich!“ und haben 2 Minuten später das Handy in den Fingern, um die neuesten Likes bei Instagram zu überprüfen oder räumen die Spülmaschine aus.

Ich nehme mich davon nicht aus.

Auch ich bin eine von denen, die all das ganz schrecklich finden und bin doch viel zu sehr mit mir und den kleinen Alltäglichkeiten befasst, als den Hintern hochzukriegen und zu helfen. Auch mich schockieren die Bilder der toten Kinder, die an türkische Küsten gespült werden. Auch ich schäme mich für meine dummen Mitmenschen, die ihre Abwehr gegen die Zuwanderer offen bekunden. Auch mich lassen die Meldungen und Bilder einfach nicht los.

Ich bin eine von vielen.

Ich lebe meinen kleinen Luxus. Ich habe ein Zuhause, eine schöne Wohnung, zu essen, Kleidung, Arbeit, Freunde, Familie. Ich werde angenommen und akzeptiert.

Wie gut geht es mir hier!

Wo also läge das Problem, kurzerhand unser Arbeitszimmer zu räumen und zumindest einen Menschen ohne all das bei uns aufzunehmen?
Mir schießen sofort mehrere gute Gründe durch den Kopf. Gedanken, die ich eigentlich gar nicht zulassen mag, die aber einfach kommen: dass ich nicht für ein WG-Leben gemacht bin…dass man ja nie weiß, wen man sich da ins Haus holt…dass man ja auch zu tun hat und was ist, wenn der Gast alleine bleibt… dass es ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein wäre… dass die Kleiderkammern übervoll sind und ich mit meinen Sachen nicht auch noch kommen kann…

Meine Sympathie sinkt jetzt sicher ganz gewaltig bei einigen Lesern, denn:

Das sind alles absolut bescheuerte und vor allen Dingen faule Ausreden!

Seid mal ehrlich: hat sich nicht der ein oder andere Gedanke von oben auch schon durch euer Gehirn geschlichen und ihr habt ihn nur nie ausgesprochen? Sicher, das ist auch kein Grund, nicht zu helfen.

Refugees welcome

Es ist ja so:
Die meisten Menschen, die hierherkommen, kommen nicht, weil sie Almosen erwarten. Die wenigsten sind Wirtschaftsflüchtlinge oder Sozialsschnorrer. Sie sind Menschen auf der Suche nach einem Neuanfang, weil Krieg, Terror, Verfolgung u.a. ihren Alltag zerstört haben. Weil sie ihr nacktes Leben retten und ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten wollen.

Aber:
Sie sehen anders aus als wir. Sprechen eine fremde Sprache. Glauben an einen anderen Gott. Kleiden sich anders. Haben andere Familienstrukturen. Kurz: sie sind uns fremd. Und das macht den meisten von uns Angst, befremdet uns. Weil es eben anders ist.

Ich könnte jetzt einfach ein bisschen Geld spenden, um mein Gewissen zu beruhigen.

Könnte ich. Will ich aber nicht.

Nicht, weil ich geizig bin. Ich will selbst etwas tun.
Deshalb betrachte ich diesen Beitrag quasi als öffentlichen Arschtritt (sorry!) in meinen eigenen Hintern. Und ihr seid alle dabei. Sonst bleibe ich nämlich eine von vielen, die Ach und Weh klagen und letztlich doch nichts tun. Ich möchte eine von den Vielen sein, die sich wenigstens im Kleinen engagieren und sei es, um Spenden zu sortieren.

Damit ich endlich anfange, den Hintern hochzukriegen! Ich möchte mich endlich engagieren, meine eigenen Vorurteile abbauen und einfach ein winziges helfendes Rädchen in dem Getriebe der Menschlichkeit sein.

Arbeitsbesuch_Mazedonien_(20270358044)_Dragan Tatic

Foto: Dragan Tatic

Auf dem gedanklichen Weg bis hierher, habe ich ein bisschen recherchiert und wem es wie mir geht, für den habe ich ein paar informative Links zusmmengestellt (Klickt auf die jeweilig fett gedruckten und farbig hervorgehobenen Texte, um hinzukommen):

Die Bloggerin und Schauspielerin Tanya Neufeldt hat sich mit ganz ähnlichen Gedanken beschäftigt und ist aktiv geworden. Auf ihrem Blog LUCY MARSHALL erzählt sie von ihrem Engagement.

WIE KANN ICH HELFEN
Birte Vogel und Claudia Troßmann haben einen Blog ins Leben gerufen, der ganz viele Tipps bündelt und bei dem man Hilfsaktionen im eigenen Umfeld anmelden oder sich über Selbige informieren kann.

PRO ASYL 
ist eine unabhängige Menschenrechtsorganisation, die sich seit mehr als 25 Jahren für die Rechte verfolgter Menschen in Deutschland und Europa einsetzt.

BLOGGER FÜR FLÜCHTLINGE
Eine großartige Aktion, die von den 4 Bloggern   Nico Lumma, Stevan Paul, Karla Paul und Paul Huizing ins Leben gerufen wurde. Sie sagen: „Wir sind ganz normale Menschen. Menschen denen nicht egal ist, wie mit anderen Menschen umgegangen wird. Menschen, die helfen wollen. Wir wollen Augen öffnen. Niemand soll mehr wegschauen. Wir versuchen gemeinsam die Flüchtlingshilfe zu unterstützen.“

JUTEN TACH REFUGEES
Auch bei Facebook engagieren sich viele Menschen. Alle, die in Berlin und Umland leben, können sich den 31.10.2015 rot im Kalender anstreichen:
„Statt tatenlos zuzuschauen, haben wir uns, ein Kollektiv aus stark vernetzten Unternehmen, Brands sowie Eventveranstaltern, dazu entschlossen die Zügel in die Hand zu nehmen und im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas auf die Beine zu stellen, das etwas bewirkt. So entstand die Idee zu ‚juten tach‘ refugees‘.“
Im Übrigen wurde diese Aktion von einer nachahmungswürdigen Initiative, die sich „MOIN MOIN REFUGEES“ nennt und die in Hamburg gestartet wurde.

Auch meine lieben Bloggerkolleginnen haben sich schon zum Thema geäußert. Schaut gern mal bei Cla und Susanne vorbei.

Was mich jetzt brennend interessiert:
Wie geht ihr mit dem Thema Flüchtlinge um? Ist es euch egal? Gehts euch wie mir? Tut ihr etwas und wenn ja , was genau?

Alle konstruktiven Beiträge sind herzlich willkommen. Fremdenfeindliche, diskriminierende oder anstößige Kommentare zum Thema werde ich nicht freischalten, denn sie widersprechen meiner Überzeugung, dass wir uns den Hilfesuchenden nicht verschließen und sie wieder wegschicken dürfen. Es kann jederzeit auch uns treffen…und dann? Auch wir würden uns über Hilfe freuen. Erinnern wir uns doch einfach mal an die Situation viele DDR-Flüchtlinge vor über 25 Jahren…. Hm??

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6 comments

  • Hallo Anja. Ich finde auch, wir könnten alle viel mehr tun. Wenn Du in Potsdam und Umgebung eine tolle Aktion gefunden hast, sag Bescheid :-)

    Reply
  • Liebe Anja,
    ein sehr toller Blog-Artikel, der mir aus der Seele spricht! Ich bin Texterin und habe mich in unserem Ort als Deutschlehrerin gemeldet. In wenigen Wochen geht´s los und ich freue mich auf diese neue, spannende Erfahrung. Und darauf, einen kleinen Beitrag zu leisten, denn jeder noch so kleine Beitrag ist gut als Zeichen der Solidarität und Menschlichkeit. Wenn jeder einen kleinen Teil, entsprechend seiner persönlichen Möglichkeiten beträgt, wird sich in diesem Land sehr viel zum Guten verändern. Da bin ich sicher.

    Herzliche Grüße, Annette

    Reply
    • Ganz vielen lieben Dank, Annette!
      Das ist ein ganz tolles Engagement, finde ich. Denn mit dem Beherrschen der Sprache des Landes, in dem man leben möchte, beginnt ja auch ganz viel Anderes und gibt Sicherheit. Ich wünsche Dir ganz viel Freude dabei!!
      Liebe Grüße
      Anja

      Reply
  • Hallo Anja, ich finde es ebenfalls super wichtig, Stellung zu beziehen. Gerade instagram zeigt immer wieder, wie oberflächlich die Welt hier bei uns geworden ist. Nehme mich da ebenfalls nicht aus. .. Doch die neuen Medien bieten die Möglichkeit mehr aus gerade den fremden Ländern zu erfahren. Meine Tochter war für ein Jahr in Ghana und wir konnten sie dort besuchen. Das verändert die Einstellung schon ziemlich. Wir müssen viel mehr vor Ort tun, damit die Menschen gar nicht erst flüchten müssen bzw. in ihre Heimat zurück können. Doch da fällt der Politik leider nur sehr wenig ein.
    Wenn jeder darüber nachdenken würde, wie wir uns an der Stelle der Flüchtlinge fühlen würden und sich etwas menschlicher verhalten würde. ..auch ein Lächeln kann schon Hilfe sein.

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    • Da hast Du durchaus Recht, liebe Heike. Ich glaube,der Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist es solange egal, solange es nicht ihre heile Welt durcheinanderwirft. Sollen sich doch die Anderen kümmern. Oder die Politik. Oder wer auch immer. Mir wird schlecht, wenn ich unsere osteuropäischen Nachbarn sehe, die sich geschlossen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aussprechen. Diejenigen, die um Aufnahme in die EU gebettelt haben. Die Tschechen beispielsweise haben einen Ausländeranteil von 4% (!). Wieviele Polen kommen nach Deutschland, um hier zu studieren oder zu arbeiten? Die sind doch auch willkommen. Das muss man sich mal überlegen. Das ist wirklich so beschämend. Man meint, niemand dreht die Situation gedanklich mal um…wie würde es denen denn gehen, wenn alle die Tür vor der Nase zuschlügen???
      Danke für Deinen Kommentar, liebe Heike!
      LG
      Anja

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