Die Schminktante über das deutsche Gesundheitswesen

Wo hakt es im deutschen Gesundheitssystem?Diese Frage stellt die Schminktante öffentlich auf ihrem Blog.

Heute kein Beautykram und keine Fashionattitüde, sondern handfestes Gemecker über das deutsche Gesundheitssystem.

Vielleicht könnte es auch als offener Brief an unser Bundesministerium für Gesundheit mit Dienstsitz in Bonn und erst einem Zweitdienstsitz in Berlin gelten. Vielleicht ist es ja auch ein deutliches Zeichen, dass das Bundesministerium für Gesundheit seinen Hauptdienstsitz noch immer in Bonn hat? Also fernab von dem Ort, an dem wichtige Entscheidungen fürs Volk getroffen werden. Aus meiner aktuellen Sicht sagt das ziemlich viel darüber aus, wie wichtig den regierenden Organen das Gesundheitswesen dieses Landes ist.

Warum das Gemecker über fehlende ärztliche Fürsorge?

Ich versuche mich kurz zu fassen und euch nicht mit meiner Krankengeschichte zu nerven.

Mit einer chronischen Erkrankung in eine fremde Stadt zu ziehen ist ja schonmal ein Abenteuer. In meinem Fall hatte ich großes Glück, denn ich hatte lange vor dem Umzug bereits den Kontakt zu einer Rheumatologin in Karlsruhe aufgenommen, einen Termin vereinbart und mich von meiner Potsdamer Praxis mit ausreichend Medikamenten versorgen lassen, dass meine Therapie weiterlaufen konnte. Soweit ich also selbstorganisiert handeln konnte, war alles bestens.

Was aber, wenn man dann doch mal etwas hat, das eben nicht chronisch sondern akut ist?

Seit April laboriere ich mit diffusen Bauchschmerzen herum. Sie waren mal da, dann wieder weg. Dann wieder da. Länger und schmerzhafter. Und wieder weg. Der Rheumatologin erzählte ich davon. Sie drückte auf dem Bauch herum, checkte die Leberwerte und weil kein Tastbefund, riet sie zur Beobachtung und Vorstellung beim Hausarzt.

Einen Termin bei einer empfohlenen Hausärztin hatte ich schon angeleiert. Alle notwendigen Voruntersuchungen hinter mich gebracht. Die Anamnese mit der dortigen Arzt-Azubine (Ärztin in Weiterbildung) vollständig aufgenommen. Fehlt nur noch der Auswertungstermin bei der „richtigen“ Frau Doktor. Aufgrund eines Terminfehlers saß ich zu diesem Auswertungstermin wieder bei der Arzt-Azubine. Und schilderte erneut mein Bauchschmerzproblem.

Es folgt wieder ratloses Herumdrücken, abhorchen und auf die Blutwerte schauen. Kein Befund. Entzündungswerte normal (das sind sie immer, weil meine Rheumatherapie diese Entzündungswerte immer in den Normalbereich drückt). Man riet zur Beobachtung und vorsorglich zur Einnahme von Iberogast. Sicherheitshalber.

Mittlerweile wird der Schmerz stärker und geht fast gar nicht mehr weg. Das Problem: die Praxis hat Urlaub. :-(

Da wollte ich doch glatt mal einen anderen Kollegen auf die Sache schauen lassen, durchforstete Ärztebewertungsportale und suchte im Internet nach geeigneten Kandidaten und was bekam ich 3x hintereinander am Telefon zu hören?

Das werdet ihr nicht glauben:

„Wir nehmen momentan keine neuen Patienten auf. Erst im neuen Quartal wieder.“

„Aktuell sind wir voll. Aber wenn ich Sie jetzt schon in 2-4 Wochen eintrage, kann ich Sie eventuell in die Kartei und in unser Hausärzteprogramm aufnehmen.“

„Tut mir leid, aber momentan nehmen wir keine neuen Patienten. Da müssten Sie zum Notarzt fahren.“

Wo hakt es im deutschen Gesundheitssystem?Diese Frage stellt die Schminktante öffentlich auf ihrem Blog.

WTF ist los mit dem Gesundheitswesen in diesem Land??

Auch wenn man hier als Akutfall in einer Praxis steht haben die Schwestern am Tresen kein Erbarmen. Ist der Bezuschussungstopf ausgeschöpft, hat man als Patient Pech gehabt. Im Akutfall 4 Wochen auf einen Termin warten ist offenbar grausame Realität in Deutschland.

Warum ich das sage?

Weil ich meiner Fassungslosigkeit vor ein paar Tagen auf meinem Instaprofil Luft gemacht habe. Wisst ihr, was für Antworten zurückkamen?

Eine Frau schrieb mir, man hätte ihr mit Verdacht auf Brustkrebs in einer Praxis eine 3-6monatige Wartezeit angeboten. Zur Mammogaphie 3 Monate oder gar 6 Monate. Erst als sie in der dritten von drei möglichen Praxen stand und sagte, sie würde sich jetzt nicht eher wegbewegen, als bis sie einen Termin bekäme, ging es plötzlich innerhalb von ein paar Tagen. Und ja: es wurde etwas gefunden. Jetzt stellt euch mal vor, sie hätte 6 Monate gewartet…

Eine andere Dame musste sich erst bei ihrer Krankenkasse beschweren, die dann weitere Schritte in die Wege geleitet hat.

Bei wieder einer anderen Familie kapitulierte der Kinderarzt vor dem Durchfall des Kindes und verwies auf die Notaufnahme.

Eine Weitere wurde an einem Freitag mit aktuen Problemen nach Hause geschickt mit den Worten: „Kommen Sie am Montag wieder, dann können wir Sie als Notfall drannehmen.

Aus dem privaten Umfeld gibt es eine noch schlimmere Story: monatelange Arztbesuche wegen diffuser Bauchschmerzen. Irgendwann als Simulant hingestellt. Und dann doch eine Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium. „Er hätte eher kommen sollen...“. Welcher Hohn! Thorsten starb mit Mitte 40 und hinterlässt Ehefrau und Sohn.

Ich erzähle hier wirklich keine Horrorstories. Alles wirklich passiert. Und ich frage mich, was los ist mit unserem Gesundheitssystem? Denn ich will nicht glauben, dass nur die Ärzte Schuld sein sollen. Ich sehe, wie hart Ärtze zum Teil arbeiten, wieviele Stunden sie in ihren Beruf investieren. Aber wenn man als Patient nicht gerade horrorlike Blut und Gedärme über den Empfangstresen erbricht oder mit wilden Zuckungen und Schaum vor dem Mund einfach umfällt, muss man zusehen wie man klarkommt. Oder wahrscheinlich auch dann. Und erst recht, wenn man, wie ich, einfach erst dann zum Arzt geht, wenn man sich wirklich Sorgen macht, weil Schmerzen trotz aller Hausmittel einfach einmal gar nicht mehr verschwinden wollen.

Weil man an die eigene Mutter denkt, die man viel zu jung an Krebs hat sterben sehen.

Weil man an den Freund denkt, der gestorben ist, weil er als Simulant hingestellt wurde.

Es geht hier nicht vordergründig um mich. Ich bin wie Unkraut und auch wenn ich jetzt jammere, weil es zwickt, stehe ich übermorgen wieder laut lachend am Ruder. Ich jammere zwar gern, aber letztlich bin ich das Stehaufmännchen, das die ganze Sache schon irgendwie wuppt.

Es geht um Grundsätzliches.

Haben wir zu wenig Ärzte?

Gibt es zu viele Kranke für zu wenig Praxen?

Wo hakt es?

Was können wir tun?

Und warum wird nicht geholfen, auch wenn man sich als Aktufall vorstellt?

Ich bin aktuell einfach nur fassungslos!

Hat jemand von euch darauf eine Antwort???

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29 comments

  • Guten Morgen Anja, erstmal wünsche ich Dir gute Besserung. Ich weiss das hilft Dir jetzt nix.
    Es mangelt an Hausärzten. Der Beruf wird immer unattraktiver. Die Gründe liegen auf der Hand. Pauschalbeträge und lange Arbeitszeiten, Verantwortung und hohe Kosten bei eingener Praxis. Die die es gibt sind überfordert.
    Schlimm wird es mal in ländlichen Gebieten. Da wird es schlichtweg keine Hausärzte mehr geben wenn das so weiter geht.
    Für „meine“ Praxis kann ich njr sagen, dass dort 4 Hausärzte arbeiten und wir täglich Termine für akute Fälle frei halten. Wer plant schon krank werden? Beimguter Organisation alles machbar. Einzige Einschränkung, die Arzt,wahl ist bei dieser Akutsprechstunde beschränkt. Das finde ich aber verständlich, nicht wahr. Schade dass Du nicht in Mannheim wohnst, da hötte ich Dir gut was anbieten können. Und zwar heute noch.
    Gute Besserung und toller Post. Das muss auch alles mal gesagt werden, Du hast vollkommen recht.
    Liebe Grüße Tina

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    • Meine alte Hausärztin in Potsdam hatte jeden Morgeneine Stunde lang Akutsprechstunde. Deshalb bin ich ja so fassungslos, dass man weggeschickt wird, obwohl man angibt ein Akutfall zu sein.

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  • Hallo und guten Morgen, nach meiner Odyssee wegen diffusen Bauchschmerzen kann ich nur raten, nicht auf den Hausarzt zu warten, sondern gleich zum Gastroenterologen zu gehen. (Ich habe gute Erfahrungen mit einer großen Gemeinschaftspraxis.) Der kann einen Ultraschall, wichtige Blutuntersuchungen usw. Hausärzte sind da oft überfordert. Gute Besserung für Dich!

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  • Deinen Frust kann ich vollkommen nachvollziehen und ich bin mir auch ziemlich sicher,dass das Gesundheitssystem in dieser Form keine weiteren 10 Jahre überleben wird.Es herrscht ein eklatanter Geldmangel für die wachsende Anzahl an Kranken und Pflege-Bedürftigen,ebenso ein fortschreitender Personalmangel für die Versorgung eben dieser. Akut regeln ließe sich das nur ändern in deutlich höheren Beiträgen der Versicherten (Aufschrei in drei,zwei,eins…) oder man kippt das Solidarprinzip auf ein Minimalmaß (Aufschrei in drei,zwei,eins…). Neben all dem Frust muss auch einfach mal in den Raum gestellt werden, dass die mittlerweile von Nötene und wissenschaftlich machbare Medizin einen Kostenpunkt erreicht hat, der mit GKV-Beiträgen nicht mehr realisierbar ist.

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  • Es ist die Reaktion der Ärzte auf das System. Wer einmal annahm, dass sich alle Ärzte per se einen dicken Geldbeutel verdienen, der irrt. Dss war einmal. Teilweise völlig überlastet mit keinem Budget mehr für weitere Patienten behandeln viele Ärzte trotzdem weiter. Die Kosten dafür tragen sie. Der Hinweis auf die Notaufnahme war kein Zynismus sondern ein gut gemeinter Tipp. Notaufnahmen müssen aufnehmen, deswegen sind diese oft völlig überlastet weil die niedergelassenen Ärzte nur ein bestimmtes Budget von den KK bekommen. Am Quartalsende ist das knappe Budget erschöpft und es wird aus der eigenen Tasche bezahlt. Bei Privatpatienten sieht es hingegen etwas anders aus. Mein Mann ist Privatpatient …. mich kotzt das System an, Wir hier auf dem Land haben eine Unterbelegung an Fachärzten, weil die KK bestimmen wieviele Praxen je Fachrichtung geführt werden dürfen. Für einen radiologischen Termin sollte ich 10 Monate warten, hätte eine neue Überweisung benötigt, dafür einen neuen Termin beim Facharzt benötigt. Es werden übrigens auch Unterschiede bei den Terminvergaben gemacht was die Krankenkasse betrifft. Eine Sprechstundenhilfe, die schon bei der Terminvergabe nach der Krankenkasse fragt, hat die Anweisung zu selektieren. Mein Mann und ich sind im der Medizintechnik selbstständig und bekommen täglich einen Blick hinter die Kulissen. Reg dich nicht über die Ärzte auf, rege dich über das System der Krankenkassen auf.

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  • Hi, wenn ich keine Termine bekomme, dann wende ich mich zunächst an meine KV mit der Bitte einen Termin für mich zu vereinbaren.
    Wenn das nicht klappt, mache ich beim Arzt einen privatärztlichen Termin aus.
    Dann muss ich zwar selbst zahlen, aber die Gesundheit ist es mir wert.
    Die KV erstattet dann den Kassenanteil.

    Die Deutschen geben leider ihre Eigenverantwortlichkeit mit der Versichertenkarte zu gerne ab. Das ist Jammern auf sehr hohen Niveau.
    Und bevor nur ein Cent selbst investiert wird, kauft man sich lieber den neusten Konsumshit.

    Es geht uns mit unserem Gesundheitssystem sehr sehr gut.
    Wir haben sehr viel Glück und sollten dankbar sein in diesem Land.
    Trotz aller adminstrativen Hürden, die sich halt nunmal stellen, wenn sehr viele Menschen mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen in einen Topf geworfen werden.

    Liebe Grüße & Gute Besserung!

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    • Ich gehe nur zum Arzt, wenn ich wirklich den Anlass dazu sehe. Ich kuriere fast alles allein aus oder lasse mir von meiner TCM-Praxis helfen, für die ich die Kosten auch selbst trage. Leider habe ich hier noch keinen TCM Arzt gefunden.
      Allerdings halte ich es wirklich für sehr fragwürdig, wenn ein Mensch, der sich Sorgen um seine Gesundheit macht abgewiesen wird, weil der Arzt einfach mal keine neuen Patienten aufnimmt.

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  • Ich bin Ärztin und ich kann Dir sagen, es hakt am System. Gerade Hausärzte arbeiten bis zum Umfallen, bekommen aber nur einen Bruchteil davon bezahlt. Warum? Weil für ein „Anamnese-Gespräch“ von den Krankenkassen 7 Minuten bezahlt werden. Das reicht kaum für ein „Guten Tag, bitte nehmen Sie Platz“, geschweige denn für ein Gespräch über mögliche Ursachen, Symptome oder eben eine chronische Erkrankung mit allem, was dazu gehört. Und es gibt einen Budgetdeckel. Es wird nicht Physiotherapie bezahlt, wenn eben benötigt. Nein. Wenn das Budget aufgebraucht ist und teure Medikamente oder eben Physiotherapie gebraucht werden, dann zahlt das der Arzt. Aus dem Geld, von dem auch die laufenden Praxiskosten und die Gehälter der Angestellten finanziert werden. Ähnlich ist es bei neuen Patienten. Wenn man bereits genug hat (festgelegt von außen), dann werden in dem Quartal eben keine neuen bezahlt. Wenn man sie dann behandelt, zahlt man auch das selbst. Natürlich gibt es genau deswegen auch zu wenig Ärzte, vor allem im ländlichen Bereich.
    Und natürlich ist das eine unzumutbare Situation. Das es noch nicht ganz gekippt ist liegt an den Ärzten, die eben trotzdem und aus eigener Tasche Patienten behandeln, denn auch die Klinik kann das nicht auffangen.
    Ich selbst habe mich aus vielen Gründen gegen eine Niederlassung entschieden. Das war einer davon.
    Wie man es besser machen könnte? ich weiß es nicht. Mit einer grundlegenden Reform, weg von Privat und Gesetzlich, und vor allem weg von DRG-System und Budgetabrechnung. Denn ein Blick nach England zeigt: Unsere Verhältnisse sind noch paradiesisch im Vergleich zu dem, was dort die Regel ist.

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    • Vielen lieben Dank, dass auch die Perspektive einer Medizinierin hier Platz findet. Ich denke auch, dass da mal Grundsätzliches am System passieren muss.

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  • Die einfache Antwort gibt es definitiv nicht.
    Haben wir zu wenig Ärzte? anscheinend
    Gibt es zu viele Kranke für zu wenig Praxen? ja
    Wo hakt es? das ganze System stinkt zum Himmel und meiner Meinung nach fehlt auch bei vielen Ärzten der Blick fürs Ganze – bei mir wurde eigentlich immer nur im Nebel gestochert, am Ende musste ich mir meine Diagnosen immer selbst stellen und dann selber schauen wie man sich selbst helfen kann, denn leider ist unser Körper nunmal eine sehr komplexe und individulle Angelegeheit und unsere Medizin ist nicht soweit wie wir machmal denken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ca 1 von 10 Ärzten üebrhaupt versteht, was ich eigentlich von ihm will und dann auch die richtigen Dinge eingeleitet hat. Tja, jetzt finde aber mal diesen 10. oder heutzutage vielleicht sogar nur noch jeden 20. Arzt. Soviel Zeit und Geduld hat kein Mensch, ausserdem schafft mans ja nicht mal bis in die Vorzimmer dieser Ärzte, weil diese auf Jahre ausgebucht sind und keine Patienten mehr annehmen.
    Ich habe eine ähnliche Leidensgeschichte im letzten 3/4 Jahr hinter mir und wünsche das keinem auf dieser Welt.

    Was können wir tun? Das kann sich nur politisch verändern, Reformierung des Systems, alles was bisher passiert ist, hat jedenfalls nur zu einer schlechteren Versorgung der Patienten geführt, da würde jetzt wohl mal jeder Patient zustimmen, oder?

    Und warum wird nicht geholfen, auch wenn man sich als Aktufall vorstellt? Tja, ich hab mittlerweile schon x-mal gehört: gehen sie doch in die Notaufnahme.
    In der allergrössten Not mit dem Kind musste ich das auch zweimal machen. Ich selbst war dort glaub ich zweimal und neulich tatsächlich nur, weil mein Mann mich dazu gedrängt hat und man sogar bei Bereitschaftsärzten abgewimmelt wird, man solle besser gleich ins KK, sie können eh nix tun. Ich wollte da Partout nicht hin, weil ich eh wusste, dass es nix bringt.
    Was ist passiert? Ich lag da den ganzen Tag herum und wurde mehrfach angeschnauzt, was ich mir eigentlich einbilde hier her zu kommen, ich würde doch sehen, was hier los ist (lauter verzweifelte Menschen, die in den üblichen Praxen abgewimmelt werden, ersuchten um Hilfe.) Ein alter Herr, schon über 80, der sich selbst nicht mehr helfen konnte, schrie die ganze Zeit, dass er dringend auf die Toilette musste (inkontinent) und Hilfe oder einen Gehstock bräuchte. Das völlig überforderte Personal ignorierte ihn einfach eine gefühlte Ewigkeit. Also habe ich dem alten Mann auf die Toilette geholfen, hin und zurück, einer anderen alten Dame ebenfalls.
    Ich selber hatte übrigens übelstes Herzrasen und dementsprechend mit dem Kreislauf zu kämpfen, aber das hat niemanden gejuckt, nichtmal ansatzweise.

    Ich bin aktuell einfach nur fassungslos! Tja, das bin ich auch immer wieder zumal schon einige solcher Situationen erlebt habe. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn ich wirklich Krebs hätte, da wäre der Ofen vermutlich schnell aus, denn wenn man nicht zufällig das Glück hat, dass es diagnosiziert wird, dann hat man eben mal Pech!

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  • Hallo Anja, ach da triffst du grad so nen Nerv bei mir. Seit 3 Wochen lebe ich mit dem Schmerz in meiner Hüfte, welches ich durch eine ISG Blockad habe. Seit drei Wochen wurde nichts gemacht als eine Spritze angesetzt. Termin für ein vom Notarzt empfohlenes MRT kurzfristig abgesagt (und darauf hab ich auch schon 2 Wochen gewartet) da weder mein Hausarzt noch der Orthopäde sich als Ansprechpartner fühlte. Der Schmerz wandert nun nach links und ich könnte heulen, vor Wut. Wäre ich privatpatient hätte ich noch am Vorfallstag alle Untersuchungen gehabt. Aber so, kurz vor quartalswechsel geht gar nichts. Also nein, ich hab leider auch keine Antwort auf alle deine Fragen. Und ich kenne viele solche Fälle, auch in meiner Familie. Wenn Menschen immer heimgeschickt werden mit neuen Tabletten oder komisch angesehen werden oder so tolle Ratschläge kriegen wie ‚ nehmen sie ab‘ oder ‚ machen sie sport‘ wenn die Person Herzklappen Fehler hat und nicht mal Treppen steigen kann. Aber so ist das. Die Ärzte sind unterbezahlt und ich frag mich, wohin meine monatlicher Krankenversicherungsbeitrag landet. Bei meinen Ärzten auf jeden Fall nicht. Und bei meinen Untersuchungen auch nicht.
    Gute Besserung dir!
    Lg aylin

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  • Liebe Anja, ich bin überrascht, von solchen Problemen in KH zu hören. Ich dachte, dass wäre typisch auf dem Land oder typisch in Berlin (wo alles aus Prinzip chaotisch ist). Bisher habe ich das auf die Abrechnungszyklen und das ausgeschöpfte Budget geschoben. Ich wurde auch schon an eine andere Praxis verwiesen, weil man mir keine manuelle Therapie mehr aufschreiben mochte. Was für ein Quark. Ich sitze also zwei Mal in einem Wartezimmer und warte, um ein Rezept zu bekommen, das die erste Praxis für sinnvoll hält. Ich bin Arbeitnehmerin und finde das nur begrenzt lustig, nochmals erklären zu müssen, ich käme heute wieder später, weil ich noch zum Arzt muss. Die Arbeitszeit der Patienten scheint nicht so wichtig zu sein. Anderes Beispiel, eine Praxis überweist mich zu Untersuchungen zu mehreren Fachärzten. Die Auswertung und Besprechung mit mir muss leider warten, man nimmt sich eine zweimonatige Auszeit. Deine Johanna

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  • Es ist schlimm, was heutzutage in den Arztpraxen passiert . Es gibt einfach zu wenig Ärzte , aber auch zu viele Patienten. Ich bin Apothekerin und bekomme es jeden Tag mit, mit welchen Bagatellen die Leute sofort zum Arzt rennen. Ist man erstmal in der Kartei drin, darf man sich jedes Mal ins Wartezimmer setzten. Die Leute sind einfach geizig und sparen – kommen sie mit leichten Beschwerden und ich kann ihnen ein freiverkäufliches Medikament empfehlen, müssen sie bezahlen . Gehen sie zum Doc, gibt es etwas auf Rezept. Es ist dann kein Wunder, dass die Ärzte keine neuen Patienten aufnehmen und man so lange auf einen Termin warten muss.
    Deswegen sind auch die Notaufnahmen überfüllt . Erstens gehen dort Menschen hin, die sonst keinen Termin beim Arzt bekommen, leider aber auch sehr viele , die dort nicht hingehören.
    Ich hatte letztens in der Apotheke eine Kundin mit einem 4-jährigen Sohn . Sie kam mit einem Rezept aus dem Krankenhaus . Das Kind hatte Husten und Schnupfen …
    Es gibt aber eine Lösung bei akuten Beschwerden, von der aber leider noch nicht viele wissen . Man sollte sich an die Krankenkasse wenden und sie ist dann verpflichtet , einen Termin innerhalb von 48 Stunden zu vermitteln .
    Ich hoffe , Du findest bald einen Arzt, der Dir hilf.

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    • Ganz lieben Dank für den Tipp! Davon habe ich schon gehört.
      In der nächsten Woche ist meine Hausärztin wieder da und ich habe einen Termin. Eigentlich zur Auswertung meiner Voruntersuchungen, aber da werde ich das Problem ansprechen.
      LG
      Anja

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  • Liebe Anja,
    es ist ganz schlimm, was da abgeht. Mein Mann sollte, nachdem der Krebs bei ihm festgestellt war, noch zum CT und zum Knochenszintigramm (ich hoffe, ich hab das Wort richtig geschrieben), weil man feststellen musste, ob der Krebs oparabel war, oder schon gestreut hat und eine Chemotherapie angezeigt war. Der erste Termin sollte in drei Monaten sein, jetzt wissen wir, dass er bis dahin mit großer Wahrscheinlichkeit gestreut hätte. Zum Glück kannte meine Kollegin jemanden in einer Röntgenpraxis, die uns Termine nach 14 Tagen besorgt hat. Mittlerweile ist der Krebs nach OP und anschließender Bestrahlung weg, wer weiß aber wie es ausgegangen wäre, wenn wir auf die Termine gewartet hätten. Wären wir nochmal in einer solchen Situation, würde ich mich auch ins Wartezimmer setzen und ohne baldigen Termin nicht gehen! Dir wünsche ich das Allerbeste!
    Liebe Grüße
    Nicole (queeninsilver auf Instagram)

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  • Es gibt 130 verschiedenartige Abdominalschmerzen. Es klingt für mich nach Endometriose, kann auch in Blase und Darm vorkommen. Versuch es mal beim Gynäkologen/in und Urologen. Auch Divertikel machen ähnliche Probleme. Ferndiagnosen sind äußerst schwierig.
    Auf zum Facharzt. Ab 1.7. ist neues Quartal, hartnäckig sein. Kenne die Terminproblematik seit vielen Jahren. Budgetierung, Pauschalen….. auch die andere Seite ist frustriert.

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  • Als Privatpatientin habe ich diese Probleme zwar nicht. Jedoch finde ich die fachlich einseitige Ausbildung von Ärzten sehr bedenklich. Leider wird der Mensch selten als Ganzes angesehen sondern lediglich in der jeweiligen Fachrichtung behandelt. Die Zusammenhänge zwischen einzelnen Erkrankungen und Symptomen muss man sich selber anlesen und erforschen. Mitdenken und Eigeninitiative sind hier erforderlich sonst hat man eben Pech. Ich bin sehr froh, eine Hausärztin zu haben, die sowohl in der klassischen Medizin als auch in Naturheilverfahren ausgebildet ist. Aus meiner Sicht kann ich dies nur jedem empfehlen. Besonders bei rheumatologischen Erkrankungen ist hier viel möglich.
    Alles Liebe und gute Besserung, Christa

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  • Hallo Anja,
    da hast Du aber ein Thema aufgegriffen, über das sich, glaub ich ganz viele aufregen können. Auch ich kenn‘ das, habe reaktive Arthritis- Mitteilung der Ärztin- ausbehandelt, also nur noch hoch dosierte Schmerztabletten. Mein Orthopäde/Rheumatologe hat inzwischen eine Privatpraxis, ebenso meine Hautärztin. Allerdings bekomme ich durch meinen Mann auch die andere Seite, also die der Privatpatienten mit: keine Wartezeiten bei Terminen und in Praxen, Erinnerungen an Kontrolluntersuchungen, homöopathische Behandlungen sind kein Problem, usw. – und nicht zu vergessen, die nette Geburtstagskarte! Die Unterschiede sind schon eklatant, auch die der Beiträge, ich als Selbstständige bezahle doppelt so viel wie mein Mann. Ich denke auch, dass es ziemlich viel Handlungsbedarf gibt, bei allen: von der Politik, dem Ärzteverband, den Ärzt/innen bis zu den Patient/innen. In der Hinsicht finde ich sehr interessant, was die Kora geschrieben hat! So habe ich das noch nie gesehen, ich bin immer froh, wenn ich Wartezeit sparen kann. Obwohl die Medikamente hier, im Vergleich zum Ausland …, aber das ist ein anderes Thema zum Aufregen!

    Liebe Grüße und gute Besserung

    Christin

    Reply
    • Liebe Christin,
      es stimmt, dass man nicht alles auf dem Buckel der Ärzte austragen darf. Sie sind die Vorletzten in der Kette, ganz hinten steht natürlich leider der Patient. Krankenkassen und Gesundheitsbeauftragte und Politiker verdienen sich goldene Näslein und pflegen den Wasserkopf, anstatt mal über ein vernünftiges System nachzudenken, das allen gerecht wird.
      Wer nur wegen einem winzigen Mimimi oder einem leichten Schnupfen zum Arzt rennt, sollte die Konsequenz genauso zu spüren bekommen, um die Ärzte zu entlasten.
      LG
      Anja

      Reply
  • Hallo Anja,
    Das ist wirklich ärgerlich.
    Ich möchte auch mal das Verhalten von Arbeitgebern anführen.
    In vielen Firmen wird bei einer Krankheit vom ersten Tag an eine Krankschreibung vom Arzt verlangt. Einen Tag zu Hause bleiben wegen Triefnase und tränenden Augen (Bildschirmarbeit….) bei einer harmlosen Erkältung geht nicht. Man muss gleich zum Arzt (der einen länger als einen Tag krank schreibt) oder Urlaub opfern. Das Gesetz verlangt das Attest erst nach drei Tagen….
    Liebe Grüße und gute Besserung
    Anette

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  • Hallo Anja,
    von mir auch erstmal gute Besserung und lass nicht locker. Man weiss selbst am Besten, wenn irgendwas nicht stimmt. Spreche aus Erfahrung, hatte vor 13 Jahren mit 34 Brustkrebs, den auch erstmal keiner erkannte. Aber mir geht’s ja wieder gut! Ich kann nicht bestätigen, dass das nur ein Hausärzteproblem ist. Wir sind von Bremen nach Mainz gezogen und ich wurde von diversen Dermatologen abgelehnt, nun gehe ich zu einem der nur Privatpatienten nimmt und bezahle es selbst. Ist zwar nicht im Sinne des Erfinders, aber was soll ich machen… Mein Mann hat eine künstliche Herzklappe und muss zur Kontrolle 1 mal im Jahr zur Kontrolle. Und was soll ich sagen, er hat Anfang Juni angerufen und den nächsten Termin gibt es erst im Januar 2018. Aber vergeben können sie ihn noch nicht, weil ihre Terminplanung noch nicht so weit geht, er wird angerufen! Unser ganzes Gesundheitssystem ist eine Katastrophe, aber es wehren sich zu wenige oder nicht massiv genug! Wo bleibt denn das ganze Geld??

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    • Wahrscheinlich in den großen Wasserköpfen der Krankenkassen, die unsere Beiträge lieber selber verwalten, als an die Ärzte weiterzugeben, für die es eigentlich bestimmt ist.
      LG
      Anja

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  • Das tut mir für dich sehr leid. Ich denke auch, der Gastroenterologe wäre der richtige Ansprechpartner für dich.
    Das Problem ist nicht nur auf Seiten der Politik zu suchen, sondern auch bei den Patienten selbst. Es herrscht bei uns die Erwartungshaltung, dass alles zu haben ist und zwar sofort. Ca. ein Viertel der MRT-Untersuchungen, die ich machen muss, sind überflüssig. Entweder der Arzt fordert diese zur Absicherung an oder auf Drängen des Patienten. So fehlen leider Termine für dringende Fälle. Aber es gibt für bestimmte Kassen die Möglichkeit, mit einer Nummer auf dem Überweisungsschein einen Termin in 3 oder 7 Tagen zu erhalten, nur scheuen sich viele Ärzte die Nummer auch zu verwenden. Warum, weiss ich nicht. Auch werden schnellere Termine vergeben, wenn der überweisende Arzt durch einen Anruf die Dringlichkeit bestätigt. Das jeder glaubt, bei ihm wäre es am wichtigsten, ist ja nur menschlich, aber keine fundierte Meinung.
    Das man als informierter Patient vom Arzt schon mal abgebügelt wird, durfte auch ich schon erfahren. Aber ich denke da auch an die Arbeitsbelastung. In unserem Krankenhaus gibt es bald mehr ausländische als deutsche Ärzte.

    Reply
    • Ich versuche wirklich beide Seiten zu verstehen und bin wahrscheinlich damit Eine von eher weniger Patienten. Und ich bin auch dafür, nicht immer sofort gleich „große“ und aufwändige Untersuchungen zu veranlassen, sondern zuzuhören und erst wenn sich gar kein Befund ergibt und die Beschwerden nicht besser werden, der ganzen Sache intensiver auf den Grund zu gehen. Ich besorge meine Termin immer mit Vorlauf und langsfristig, um niemandem einen Platz wegzunehmen, der ihn möglicherweise dringender braucht als ich.
      Allerdings bin ich nach 4 Monaten mit diffusen Schmerzen jetzt wirklich etwas beunruhigt.
      Nun ist die Hausärztin aus dem Urlaub zurück und der lange vereinbarte Termin hat gestern stattgefunden. Heute Morgen Sonographie ohne Befund (was ja per se ganz gut ist). Zur Abklärung eines Heliobakters muss ich nun doch zum Gastroenterologen und werde mir gleich einen Termin geben lassen…
      Danke für Deine Tipps!
      LG
      Anja

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