Schminktante goes Karlsruhe: Abschied von Potsdam

Die letzte Woche in Potsdam hat längst begonnen und damit das große Abschied nehmen.

Ausblick in Potsdamer Straße zur Baumblüte.

Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie dieses Viertel duftet, wenn die Bäume blühen. So wunderbar!

Kaum zu glauben, dass mein Mann schon seit 6 Monaten zwischen hier und da pendelt. Dass wir vor 4 Monaten unsere Wohnung gefunden haben, in die wir in der nächsten Woche einziehen. Und dass aus zwei Potsdamern jetzt zwei Karlsruher werden. Was erst noch in entspannt weiter Ferne lag und Vorfreude verursachte, ist jetzt in wenigen Tagen unser neuer Alltag und verursacht aktuell ganz schön Wehmut.

Als ich vor 9 Jahren nach Potsdam kam, war das für mich ein riesiger Schritt. Weg aus der thüringischen Heimat. Weg von Freunden und Familie. Weg von allem. Hier in Potsdam kannte ich niemanden. Eine Handvoll Bekannte in Berlin, das wars. In 9 Jahren habe ich hier ganz schön was aufgebaut. Mein kleines Business als Make up Artist hat sich herumgesprochen und der Name Schminktante steht hier für Kompetenz und Qualität. Ich habe viel gelernt und bin doch nie ganz heimisch hier geworden.

Anfangs habe ich ganz heimlich für mich gejubelt, dass ich die Stadt verlasse, die es mir so schwer gemacht hat. Unter anderem auch, weil mir die Menschen in Karlsruhe mit so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft entgegentreten, dass ich oft einfach nur weinen möchte vor lauter Dankbarkeit.

Abendlicher Ausblick auf die Windmühle von Sanssouci.

Was ich vermissen werde

Und jetzt sitze ich hier und mir rollen Tränen übers Gesicht, weil ich merke, dass hier in Potsdam doch etwas angekommen ist, das sich nach Zuhause anfühlt. Es ist nicht viel, aber dennoch so viel, dass es etwas schmerzt. Alles findet jetzt ein letztes Mal statt.

Der letzte Termin beim Rheumadoc, der mich fast 9 Jahre lang durch Höhen und tiefe Tiefen meiner Autoimmunerkrankung getragen hat. Mit ihm ein letzter Besuch in meiner TCM-Praxis, die ebenfalls so viel für mich getan haben, wie man es kaum in Worte fassen kann.

Ein letztes Mal Yoga in einer wunderbaren Truppe, die mir fehlen wird. Yoga und Juri, der Yogalehrer, waren hier ganz oft ein wirklicher Ankerpunkt für mich. Ich habe so viel gelernt in den Stunden: über mich, meinen Körper, meinen Geist.

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Das Auto war ein letztes Mal in der Werkstatt und zieht mit Sommerrädern und neuem TÜV um. Rainer Hahn und sein Team haben mir echt oft den Hintern gerettet, wenn das Auto nicht wollte und ich aber dringend damit fahren musste. Immer war dort in der alten DDR-Werkstatt ein netter Plausch drin, ein bisschen Geplänkel und ganz viel freundliches Augenzwinkern. Solche Momente waren in Potsdam selten.

Gestern war ich mit meiner Freundin Claudi ein letztes Mal unterwegs. Wir haben uns beruflich kennengelernt und sind Freunde geworden. Das hat -wie bei Brandenburgern üblich- etwas gedauert. Aber dann war es grundehrlich und so herzlich, wie man es sich nicht vorstellen kann. Denn WENN man mal mit einem Brandenburger wirklich Freundschaft geschlossen hat, dann hat man einen Freund fürs Leben gewonnen. Auch das habe ich hier gelernt und das ist mir unendlich wertvoll!

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Wir haben ein letztes Mal Wein bei unseren Freunden vom Weinwerk eingekauft. Was haben wir dort Zeit verbracht, tolle Weine kennengelernt oder tolle literarische Abende erlebt …

Wir waren ein letztes Mal in Sanssouci. 9 Jahre lang mein absolutes Joggingparadies. Immer wieder den Kreislauf der Natur beobachten, den Schwänen bei der Aufzucht ihrer Jungen zuschauen und sich von ihnen jagen lassen, wenn wieder mal eins ihrer Kleinen auf dem Weg saß, auf dem man entlangjoggte. Dem Chinesischen Teehaus ein letzten Mal zuzwinkern, auf dessen Dach der dicke goldene Buddha zum Abschied grinsend sein Schirmchen durch die Potsdamer Luft schwenkt.

Frühlingsdeko bei der Schminktante.

Und nun rücken die letzten Tage in unserer wirklich hübschen Wohnung immer näher. Diese lichtdurchflutete und offene Wohnung, mein Nest, in dem ich mich immer geborgen fühlte. In diesem Post seht ihr übrigens, wie wir hier wohnen. Die Ausblicke über glühende Himmel und ins Grün von Sanssouci sind wirklich unbezahlbar und werden mir sehr fehlen. Der Blick über die Dächer, auf denen sich meine geliebten Nebelkrähen mit den schnatternden Elstern streiten und im Herbst pausenlos Walnüsse auf unsere Oberlichter fallen ließen, dass ich oft fast zu Tode erschrak. Immer wieder streife ich durch die Räume und nehme innerlich Abschied.
Die Schränke sind aussortiert, der Keller ausgemistet. Wir haben uns von ganz vielen Dingen getrennt. Weggeworfen, verschenkt, verkauft. Es ist fast alles vorbereitet.

Sommer vorm Balkon.

Heute wurden unsere Umzugskisten angeliefert. Damit wird immer greifbarer, was hier in knapp 5 Tagen vonstatten geht. Am Samstag kommt die kleine Handvoll Herzensmenschen zu uns. Wegbegleiter und Freunde, die wir leider nicht mitnehmen können, auch wenn wir es noch so gern wollten. Es gibt eine winzig kleine und hoffentlich fröhliche Party zum Abschied, bevor am kommenden Montag Helfer zum Packen kommen und bevor am Dienstag die Wohnung leergezogen wird.

Und dann geht es auf in das große Abenteuer in einer neuen Stadt, die uns gerade so herzlich empfängt und auf deren Menschen wir uns -trotz allen Katzenjammers ob des Abschiedes hier- schon so freuen. Das macht es ein bisschen leichter mit dem Abschiednehmen.
In Karlsruhe ist es bereits richtig Frühling und angenehm mild. Das Abendlicht in unserer neuen Wohnung soll eine ganz wunderbare Stimmung erzeugen…

Abendhimmel über Sanssouci.

Auf Wiedersehen Potsdam!

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20 comments

  • Liebe Anja,
    Kopf hoch, das wird schon, es gibt da einen Spruch, der soviel Wahres in sich trägt:
    Und plötzlich weißt du, es ist Zeit etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen. Alles Gute
    Anja aus Magdala

    Reply
    • Danke liebe Anja!
      Genau diesen Spruch habe ich vor meinem geistigen Auge! Und auf die Zeit in Karlsruhe freuen wir uns ja auch schon total!
      LG
      Anja

      Reply
  • Liebe Anja,

    wie gut kann ich mit dir mitfühlen! Ich bin vor 9 Jahren von Deutschland in die Schweiz gezogen und hab mich damals ähnlich traurig gefühlt – alles zum letzten Mal! Aber im Nachhinein muss ich sagen: Es war das grösste Glück, das mir geschehen ist – und die Dinge, an denen mein Herz in Deutschland hing, habe ich doch gar nicht verloren. Ich kann doch immer wieder hinfahren und Leute treffen und Orte besuchen. Auch von Karlsruhe bis nach Potsdam ist es doch keine unüberwindbare Entfernung. Vielleicht tröstet dich das etwas. Halt den Kopf hoch und streck dein apartes Gesicht der Sonne entgegen!

    Liebste Grüsse aus der wundervollen Schweiz

    Petra

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    • Liebe Petra,
      danke für Deine lieben Worte. Ich weiß ja, dass man viel Dinge behält, auch wenn man anderes vermisst. Man bekommt so viel Neues dazu, entwickelt sich weiter, lernt… Darauf freue ich mich schon. Trotz aller Wehmut ob des Abschiedes. Das Eine geht sicher nicht ohne das Andere. 😉
      LG ind die Schweiz
      Anja

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  • Liebe Anja,

    das hast Du so gefühlvoll geschrieben, dass mir fast ein Tränchen kam.
    Ich komme ja aus dem Potsdamer Raum und kenne das was Du von den Brandenburgern schreibst eher von den Hamburgern (habe dort 5 Jahre verbracht und mich oft sehr einsam gefühlt). Komisch, wie unterschiedlich die Eindrücke manchmal so sind.

    Für Euren Neustart alles erdenklich Gute!!

    LG Evi

    Reply
    • Liebe Evi,
      wenn man die Brandenburger zu nehmen weiß, ist irgendwann alles gut. Bis dorthin war es für mich ein langer und oft einsamer Weg. Aber ich gehe nicht im Groll…ganz im Gegenteil. Ich habe hier so viel gelernt und mich weiterentwickelt. Jetzt ist es Zeit, Neues zu erkunden und auf das Badische freue ich mich wirklich auch sehr!!
      LG
      Anja

      Reply
  • Liebe Anja!
    Schön liest sich dieser Post, man kann richtig spüren, wie wehmütig aber gleichzeit freudig ein Abschied und der damit verbundene Neubeginn ist! Ich wünsche Dir ein paar schöne verbleibende Tage mit immer mehr „Zum-letzten-Mal-Momenten“, einen möglichst stressfreien und reibungslosen Umzug und einen tollen Start in Karlsruhe! Ich bin gespannt auf Bilder und Posts aus der neuen Heimat und begleite Dich liebend gern nach Karlsruhe!
    Herzliche Grüße!
    Sabine

    Reply
    • Das hast Du schön gesagt, liebe Sabine! Vielen lieben Dank! Und natürlich kommt ihr alle mit nach Karlsruhe :-)!
      LG
      Anja

      Reply
  • Liebe Anja,
    alles Gute für Deinen Neuanfang! Trauer und Freude, wie sie auch Hermann Hesse wunderbar beschreibt.

    Stufen

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    in andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Hermann Hesse

    Reply
    • Hach….. jetzt heule ich doch gleich….

      Ich kannte Zeilen aus diesem Gedicht, aber nicht den ganzen Text. Er ist so wahr! Lieben Dank! :-)

      LG
      Anja

      Reply
  • Liebe Anja,
    ich bin vor 8 Jahren aus Bremen nach Mainz gezogen und möchte hier nie mehr weg. Die Menschen im Süden sind so herzlich, aufgeschlossen und nett. Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute und viele neue liebe und nette Begegnungen. Siehe es als Abenteuer und lass Dich überraschen…
    LG Gaby

    Reply
    • Liebe Christine,
      das werde ich…bei so lieben Wünschen wird mir das garantiert gelingen!!! Dankeschön dafür!
      LG
      Anja

      Reply
  • Liebe Anja,

    wie oft habe ich das erlebt, was Du beschrieben hast. Mal wollte ich weg, mal wollte ich unbedingt bleiben. Geheult habe ich jedesmal. Das letzte Mal bin ich umgezogen, um mit meinem Mann zusammenzuziehen (ja, den Du kennengelernt hast, als Du mich sehr früh morgens für meine Hochzeit hübsch gemacht hast). Das Gefühl von Aufbruch, Unsicherheit und Vorfreude kommt sofort wieder bei Deinen Zeilen, dicker Kloß im Hals inklusive. Macht es Euch schön, wunderschön in Karlsruhe!

    Deine Johanna

    Reply
    • Ach liebe Johanna, Du sprichst mir so aus der Seele. Dieser Kloß trotz all der Vorfreude…und ein bisschen was möchte man immer mitnehmen. Ganz lieben Dank für diesen schönen Kommentar!!
      LG
      Anja

      Reply
  • Liebe Anja,
    auf Deinen Blog bin ich gestoßen, als ich Tips zum Anti-Aging gesucht habe. Als ich im Impressum gesehen hab, dass Du Potsdamerin bist, hab ich mich gefreut 😉 und nun bist du eine Karlsruherin ;D Ich glaube Potsdam im Sommer zu verlassen, wäre noch ein kleines bisschen schwerer gewesen – zumindest für mich. Denn dann zeigt sich die Stadt – und die grummeligen Brandenburger – von der schönsten Seite u ich fühle mich hier am wohlsten. Ich wünsche Dir einen schönen, gelungenen Neuanfang. „(…) Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. (…)“ (Hermann Hesse)
    Viele liebe Grüße aus der Geschwister-Scholl-Straße,
    (auch) Anja

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    • Liebe Anja,

      ach wie lieb, dass Du das schreibst. Vielen Dank!
      Ja, die grummeligen Brandenburger haben mir den Abschied von Potsdam etwas erleichtert. Ich bin in 9 Jahren Potsdam mit der Mentalität nie so ganz warm geworden, auch wenn es in den Jahren viele Menschen gab, die mir ihre Freundschaft geschenkt haben.
      Potsdam ist wunderschön. Wenn die blühenden Bäume in der Meistersingerstraße ihren betörenden Duft durchs Viertel verströmen oder die Kastanien in der Kastanienalle in Blüte stehen. Der Park fehlt mir jetzt schon.
      Aber ich muss gestehen, dass ich mich nach nur so kurzer Zeit in Karlsruhe hier schon deutlich angekommener fühle, als jemals in Potsdam. Die Menschen sind sich sehr zugewandt und freundlich, auch wenn der Dialekt echt gewöhnungsbedürftig ist. Ich werde Potsdam trotzdem in einer sehr schönen Erinnerung behalten. 😉
      Und weil Freunde dort sind, kehre ich ganz bestimmt auch immer mal wieder zurück!
      Liebe Grüße in die Geschwister-Scholl-Str. :-)
      Anja

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      • Ach ja die grummeligen Brandenburger….. der Weg von Hamburg nach Potsdam ist auch 9 Jahre späteter nicht gerade leicht… Wenn du irgendwelche Geheimtipps , ob dieser Landschaft, die wirklich sowas von wundeerschön ist – oder direkten Personen- Cafes- usw.
        nur her damit. Nur mit der persönclichen Umsetzung hapert es noch. Ich hoff sehr du hast in deiner neuen Umgebung mehr Glück. Abser eigentlich bin ich mir sichr!! , daß es gut läuft. Ich werd dich das ein oder andere Ma oder andere Mal sichr noch privat anmorsen, was „noc-sogeht-“ bis dahin liebste Grüße und gutes Einleben! A.

        Reply
        • Das kannst Du sehr gern machen!
          Das Weinwerk in der Friedrich-Ebert-Straße ist eine sehr nette Anlaufstelle mit ebenso netten Inhabern! Juri Dischinger in der Gutenbergstraße macht erstklassiges Yoga (falls Du an sowas interessiert bist). Ansonsten wüsste ich jetzt eher keinen Laden, wo man einfach mal so auf nen unverbindlichen Plausch reinschneien kann.
          Eine gute Kosmetikerin findest Du in der Luisen-Kosmetik am Luisenplatz (über dem Coiffeur Ritt), frag dort nach Doreen Hausmann und grüß von mir.
          Halt die Ohren steif!!
          Alles Liebe
          Anja

          Reply

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