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Modische Nachhaltigkeit

altkleider, kleiderspende

Wir beginnen die Woche mit einem ernsten Thema: Nachhaltigkeit & Mode.

Ich kaufe selten Ökomode, weil sie öko ist. Wenn ich zufällig ein Stück Ökomode kaufe, dann, weil es mir gefällt, mich kleidet und schlussendlich natürlich auch, weil es mein Konsumentengewissen beruhigt. Die Zahl der Kaufanfälle in Billigläden wie H&M, Zara, Mango & Co. reduziert sich kontinuierlich mit steigender Zahl meiner Jahresringe. Mittlerweile mag ich gute Kleidungsstücke: langlebig, zeitlos, hochwertig. Wenn es dann noch Ware ist, die weder Tier noch Natur, Umwelt oder Mensch zu sehr geschadet hat: umso besser! Aber ich gestehe auch: dogmatisch bin ich da nicht.

Trotz allem ist mein Kleiderschrank voll (habe ich das wirklich gerade geschrieben???) und manchmal packt es mich und ich sortiere aus.

Der Plan

Was gar nicht mehr tragbar ist, landet in der Tonne. Gute Sachen in der Kleiderspende. Bessere Sachen in der Tüte für Oxfam. Designerstücke und neuwertige Fehlkäufe lege ich für Internetportale wie Vinted (vorm. Kleiderkreisel) oder Mädchenflohmarkt beiseite bzw. bilde mir ein, sie irgendwann einmal eigenhändig an meinem eigenen Flohmarktstand zu Geld zu machen.

Die Realität

Nachdem alle Häufchen sortiert sind, geht das mit den zu entsorgenden Teilen recht einfach und demzufolge auch recht schnell. Ab in die Tonne und fertig. Die Tüte für die Kleiderspende steht immer eine Weile, die für Oxfam noch eine Weile länger und die Sachen, die ich zu Geld machen will…. reden wir einfach nicht darüber. Dieser Stapel landet nämlich irgendwann auch in der Oxfam-Tüte. Was ich für äußerst löblich halte, denn mit dem Erlös aus den Verkäufen der Sachen unterstützt die unabhängige Nothilfe- und Entwicklungsorganisation weltweit Projekte gegen Armut.

Neulich trieb es mich dennoch wegen irgendeiner Kleinigkeit zum schwedischen Billighersteller. An der Kasse traue ich meinen Augen nicht: Altkleidertonnen. Wie das? Mögen es mir die H&M-Dauerkäufer nachsehen, dass ich DAS noch nicht mitbekommen habe. Man darf bei H&M inzwischen täglich bis zu 2 normal große Tüten mit Altkleidern abgeben. Und zwar nicht nur Altkleidern von H&M, auch andere Labels sind willkommen.

 „Jedes Jahr landen Tonnen von Kleidung auf dem Müll. Dabei könnten bis zu 95% davon wiederverwendet werden.“

Sagt H&M, krempelt die Ärmel auf und nimmt seither Altkleider zurück (zur Aktionsseite). Als Dankeschön bekommt der Spender 15 % Rabatt auf den Kauf eines neuen Teils.

Was passiert mit den Sachen?

Kleidung, die wieder getragen werden kann, wird weltweit als Secondhand-Kleidung verkauft. Sachen, die nicht mehr getragen werden können, werden zu anderen Produkten umfunktioniert, Putzlappen zum Beispiel. Und dann sind da noch die Sachen, die man gar nicht wiederverwenden kann. Die werden zur Textilfaser recycelt und kommen als Dämm- oder Isolierstoff für die Autoindustrie zum Einsatz.

Wie ich das finde?

Erster Impuls: TOLL!

Die weitere Recherche brachte mich auf ein sehr interessantes Interview mit Unternehmerin Sina Trinkwalder, die das Modelabel Manomama betreibt und sowohl an nachhaltigen Produkten als auch Recyclingsystemen arbeitet und sich für faire Arbeitsbedingungen einsetzt.  Sie findet die ganze Aktion extrem scheinheilig. Kasse machen mit der Faulheit derer, die (wie ich) lieber Kleidersäcke in die Tonne hauen.

Ich denke nach:

Große Textilverwerter bekommen 300 – 400 € für eine Tonne ausrangierte Textilien. Wenn man bedenkt, dass jährlich bis zu 750.000 Tonnen Altkleider allein in Deutschland anfallen, ist das ein ganz gutes Stück Umsatz, das H&M mit dieser Aktion machen kann und sich somit auch am Altkleiderverwertungskuchen ein Stück schmecken lässt.

Zweiter Impuls: TROTZDEM GUT!

Man muss Dinge immer von zwei Seiten sehen. Natürlich wird H&M nur wegen dieser Aktion nicht zum Wohltäter der Menschheit. Im Gegenteil: der Konzern wird größere Gewinner denn je einstreichen. Aber ganz ehrlich? Warum sollte er nicht? Er hat ja auch Arbeit damit und macht eine Abteilung namens „Altkleiderverwertung“ auf. Die jungen Leute, die ihre Klamotten sonst weggeworfen haben (egal wie neu oder alt) werden es sich möglicherweise überlegen und sie tütchenweise zurück in den Kreislauf bringen. Ist das so schlecht? Wenigstens versucht H&M etwas, wo andere nichtmal ansatzweise anfangen nachzudenken (beispielsweise Primark und Konsorten).

Altkleider, Kleiderspende

Fazit:

Ich habe recherchiert. Außer beim OTTO-Versand fand ich keine Aktion, die ähnlich mit Altkleidern umgeht. Allerdings ist es mir bei Otto zu schwammig, wie und wo die Altkleidung verkauft wird, um dann wiederum vom Erlös Wohltätigkeitsprojekte zu fördern und zu unterstützen. Gute Onlineplattformen sind für mich auch der Mädchenflohmarkt oder Vinted (vorm. Kleiderkreisel), die ich oben bereits erwähnte. Auch Zamaro bringt getragene Kleidung wieder in den Kreislauf. Dort kann man seine Altkleider einschicken, sie werden fotografiert und für den Onlinetausch aufbereitet. Je nach Zustand und Qualität oder Marke bekommt man Punkte gutgeschrieben, für die man aus dem großen Angebot andere getragene Posten ausuchen kann. Fällt aber für mich alles aus, denn ich mag lieber neues Neues tragen, als möglicherweise einen abgewetzten Fummel zugeschickt zu bekommen und mich ärgern zu müssen.

Immerhin habe ich während der Recherche zu diesem Post ordentlich nachgedacht über die Nachhaltigkeit und meinen eigenen Beitrag dazu. Möglicherweise werde ich es mir künftig noch länger überlegen, bevor ich losrenne und im Kaufrausch bei Billiganbietern versinke. Lieber ein wertiges Stück, an dem ich viele Jahre Freude habe. H&M darf trotzdem ab und an gern dabei sein. Ich habe Teile von denen, die sind weitaus älter als 5 Jahre und ich trage sie immernoch gern! Vielleicht werde ich demnächst auch mit den Fehlkäufen oder neuwertigeren Sachen mal eine Swappingparty anzetteln. Oder zu einer hinpilgern. Denn auch Swapping, also das Tauschgeschäft mit Klamotten, blüht wie nie zuvor. Erinnert mich schwer an meine Jugendtage, an denen ich mit meiner besten Freundin alle Klamotten hin und her tauschte und keiner von uns mehr so genau wusste, was jetzt eigentlich wem gehörte.

Es gibt also einige Möglichkeiten, mit den Ergebnissen unserer ausgemisteten Kleiderschränke sinnvoll umzugehen. Wie macht ihr das? Konsumiert ihr wild und werft weg, was ihr nicht mehr mögt? Denkt ihr manchmal darüber nach, dass wir eigentlich alle viel zu viel haben und wo all das landet, das wir nicht mehr tragen wollen?

Ich bin auf eure Kommentare gespannt! 😉

Alles Liebe,
Eure Schminktante
Anja

Alles Liebe, Eure Anja

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6 Comments
  • Valérie von Life 40up!
    August 17 2015

    Das mit den Altkleidern ist bei mir auch Dauerthema. Für gewöhnlich sortiere ich im Frühjahr und Herbst die Sachen aus, wenn ich den Kleiderschrank umräume. Die aussortierte Kleidung gebe ich meist in die Kleidersammlung beim Roten Kreuz oder zu den Maltesern. Irgendwie habe ich da die Hoffnung, dass das Ganze doch eher Notleidenden zugute kommt, und nicht in erster Linie dem Profit dient.

    Zukünftig werde ich verstärkt auf die städtischen Aktionen zur Flüchtlingshilfe achten. Dort wird bestimmt demnächst jede Menge Kleidung benötigt, und die geht dann direkt an die Menschen vor Ort. Der Kleine sortiert schon seine Stofftiersammlung aus 😉

    Liebste Grüße,
    Valérie

    • schminktante
      August 17 2015

      Ach, das ist ja süß. Auf Instagram kommentierte Polly (die nebenher auch bei H&M arbeitet), wie sehr sich der Konzern doch für die engagiert, die wenig haben. In Berlin zumindest. Ich denke, das liegt auch immer an der Storeleitung. Oxfam war bisher für mich die beste Alternative, gute Altkleider wieder in Umlauf zu bringen. Die Sachen werden hier verkauft und nicht auf Märkten der 3. Welt. Möglicherweise werde ich also von meinen Gewohnheiten doch nicht abweichen.
      Alles Liebe
      Anja

  • Conny
    August 17 2015

    Liebe Anja, ich versuche nachzudenken… H&M und Co. versuche auch ich zu reduzieren, wobei ich von dort ebenfalls Teile habe, die mich schon einem Jahrzehnt begleiten und die bisher alles anstandslos mitgemacht haben…. Ich sehe das mit H&M wie Du, wobei ich glaube, das Unternehmen verdient sich mit dieser Aktion ne weitere goldene Nase, während dem örtlichen Vereinswesen, diese Einnahmequelle flöten geht. Mit hat mal ein Feuerwehrmann erzählt, dass sie in Neubaugebieten keine Altkleidersammlungen mehr durchführen müssen… das Gleiche gilt übrigens für Altpapier. Da sind die großen Entsorger ja auch sehr großzügig und stellen einem blaue Tonnen ohne Gebühren vor die Haustür… Ich glaube, im Recyclingbereich fließt ein Haufen Kohle…
    Ich finds großartig, dass Du das Thema aufgreifst, herzlicher Gruß – Conny

    • schminktante
      August 17 2015

      Dank Dir Conny. Auf der Bloggerkonferenz „The Hive“ im April diesen Jahres hörte ich einen sehr interessanten Vortrag einer jungen Designerin, die u.a. auch für den Schweden gearbeitet hat. Sie war die Erste, die das Gedankenkarussell in Gang setzte. Auch ich musste mir eingestehen, dass ich Mode gern mal „inhaliere“. Aber seither denke ich halt auch erst nach, bevor ich zuschlage.
      LG
      Anja

  • Sunny's side of life
    August 17 2015

    Jessas, das sind ja Kleiderberge auf dem Bild ganz oben.
    Am liebsten gebe ich Kleidung die „uns“ nicht mehr passt in gute, mir möglichst bekannte, Hände.
    Aber. Ich habe nicht den Eindruck, die Leute nehmen gern was „gutes“ geschenkt. Wie das früher der Fall war, sondern sie wollen liebe das „billige“, neu.
    Ich kaufe nur was ich brauche – oder glaube zu brauchen – und benutze das dann auch solange bis es nicht mehr geht. Dazu braucht man Platz. Und viele Schränke…. 🙂
    VG Sunny
    P.S.: Auf Dich wartet noch eine ungelesene PN bei den Ü30 Bloggern.

    • schminktante
      August 17 2015

      Ui…ach Du je… na dann geh ich mal schauen.
      LG
      Anja