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30 Jahre Mauerfall

Mauerfall statt Geschenkeguide…

An dieser Stelle sollte eigentlich heute ein kleiner Geschenkeguide stehen. Ich hatte liebevolle Geschenke für euch zusammengestellt. Geschenke, die man sich persönlich vielleicht nicht gönnen aber über die man sich doch wie Bolle freuen würde. Aber dieser kleine Guide kann sich noch ein paar Tage gedulden. Ich verrate euch auch, warum:

Gestern postete ich auf meinem Instagram-Kanal ein Foto von meinem Mann und mir und habe ein paar Worte zum 30jährigen Jubiläum des Mauerfall geschrieben. Darauf kam so wahnsinnig viel Resonanz. Kommentare und persönliche Nachrichten. Nachrichten mit sehr bewegenden persönlichen Geschichten. Viele waren im Jahr des Mauerfall noch Kinder und begriffen das Ausmaß dessen eigentlich nur an der Ergriffenheit ihrer Eltern. Nicht wenige sahen ihre sonst so realistischen und übersachlichen Väter weinend vor dem Fernseher sitzen. Andere von euch sind mutig an der Hand von Mama und Papa mit zu den Friedensgebeten marschiert, nur ansatzweise ahnend was das eigentlich bedeutete. Andere haben -wie ich- eins der intensivsten Jahre ihres ganzen Lebens erlebt. Ein Jahr, das niemand so schnell vergessen wird.

Immer wieder kam auch die Frage: wie war Deine Geschichte?

Die Reaktionen haben mir gezeigt, dass wir hier lange noch nicht fertig sind mit irgendeiner Form der Aufarbeitung. Wir brauchen Zeit, Geduld und Verständnis füreinander und die Hoffnung, dass eines Tages der Unterschied zwischen Ost und West kaum oder gar nicht mehr spürbar ist. Ich möchte euch heute meine Wende-Geschichte erzählen. Sie ist überhaupt nicht spektakulär und doch immernoch so allgegenwärtig für mich.

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9. November, 1989, Mauerfall, Freundinnen, früher, Schminktante, Anja Frankenhäuser
Mit meiner besten und bis heute ältesten Freundin, 1986. Bilder einer DDR-Jugend… 🙂

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Sommer 1989

Ein verrückter Sommer.

Ich hatte meine Friseurausbildung gerade beendet und arbeitete die ersten Monate in einem richtigen Salon. Erwachsen zu sein und eigenes Geld zu verdienen, habe ich sehr genossen. Mit Freundinnen ausgehen und selbst entscheiden dürfen ob man die Nacht durchmacht oder doch besser noch ein paar Stunden schläft, bevor der Dienst beginnt… wir waren damals nicht mit so viel mehr beschäftigt als mit dem neuen Erwachsenensein ohne Schule & Co. 2-3x die Woche ging ich zum Tanztraining. In der DDR hieß es Turiniertanz und beinhaltete Standart- und lateinamerikanische Tänze.

Aber da war auch noch etwas anderes. Unter der ach so ruhigen Oberfläche geregelter Strukturen brodelte es gewaltig.

Jetzt muss ich doch etwas ausholen:
Ich bin in einem liberalen Elternhaus aufgewachsen. Meine Eltern waren weder absolut systemhörig noch besonders revolutionär. Allerdings christlichen Glaubens einer katholischen Gemeinde in Erfurt zugehörig und dort sehr engagiert. Nach außen hin hieß es oft: ‚Klappe halten.‘, dafür wurde hinter der verschlossenen Tür diskutiert und auch die westliche Welt eingelassen. Vieles im System DDR fanden meine Eltern nicht in Ordnung, lehnten sich aber auch nicht dagegen auf. Man lebte eben sein kleines Leben. Geregelt und ohne Auffälligkeiten. So bin ich behütet großgeworden. Mit offenen Augen und Ohren und mit einem klaren Verstand durch die Welt zu gehen, haben mir meine Eltern trotzdem beigebracht. Das war für sie dann nicht ganz einfach, als ihre Tochter sich im schlimmsten Teenageralter viele Lebensfragen stellte, die auch das DDR-System betrafen…und ihre Lehrer für Staatsbürgerkunde damit provokativ konfrontierte. Nach irgendeinem Elternabend oder einer Vorladung beim Direktor meiner Schule raunzte mich mein Vater eines Tages an mit den Worten: „Kannst Du nicht einfach mal Deine Schnauze halten?“
Er meinte damit all die Fragen, auf die kein StaBü-Lehrer mir je eine vernünftige Antwort hätte geben können.
Fragen wie: Warum sind DDR und BRD getrennt? Warum ist die BRD unser Klassenfeind? Wenn der Kapitalisumus so schlecht ist und seine Menschen ausbeutet: warum haben diese Menschen dann trotzdem so viel mehr als wir im Sozialismus? Warum dürfen wir nicht in die BRD oder andere kapitalistische Länder reisen? Und die schlimmste aller Fragen: Wovor hat denn die SED solche Angst, dass sie ihre Bürger vor dem Kapitalismus wegsperren muss?
Solche Fragen waren deutlich zu vorlaut für eine 15/16-Jährige der DDR in den 1980er Jahren. Deutlich zu revolutionär. Zu deutlich Aufschluss gebend, dass das Elternhaus gar nicht so staatstreu war wie es vorgab.

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Turniertanz, Mauerfall, 1989, Wende DDR, 9. November, Anja Frankenhäuser, Schminktante
Tanzturnier in Erfurt, 1988

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Unsere Familie war absolut keine Ausnahme!
In vielen DDR-Familien wurde so diskutiert, so offen mit Politik umgegangen. Ich war leider nur immer so blöd und musste überall mein vorlautes Mundwerk aufmachen (passiert mir heute noch gelegentlich). Die Kombination der immer angespannteren wirtschaftlichen Situation der DDR und des gesamten Ostblocks, Gorbatschows Glasnost und Perestrojka gepaart mit der wachsenden Unzufriedenheit der DDR-Bürger über zu wenig Freiheit in allen Belangen, wuchs die Auflehnung gegen den Überwachungsstaat.
Ich kann mich nicht erinnern, warum ausgerechnet im Sommer’89 plötzlich so viele Menschen die BRD-Botschaften in Budapest und Prag besetzten. Tagtäglich gab es -auch im Umfeld meiner Familie- leere Bürostühle von Kollegen meiner Eltern, hörte man über diese oder jene Nachbarn oder Freunde, die nicht aus dem Ungarn-Urlaub zurückgekommen waren. Sah man versiegelte Wohnungen.

Man spürte, dass etwas geschehen muss. Dass SED und östliche Bruderländer nicht weiter würden so tun können, als sei nichts. Das war eine aufgeheizte Stimmung in diesem Sommer. Es war aufregend, manchmal verstörend, irgendwie auch ganz schön wild und unter der Oberfläche spürte man auch die Gefahr, die von Stasi & Co. ausging.

Irgendwann kamen die friedlichen Demonstrationen, in Erfurt immer donnerstags. Oft waren auch meine Eltern dabei. Erhobenen Hauptes, aber auch voller Angst, irgendwann könnte die Lage eskalieren, wurden die Demos doch streng überwacht… und immer auch froh, dass ihre 18jährige Tochter donnerstags Tanztraining hatte.

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Katze, früher, 9. November, Mauerfall, 1989, Wende, DDR, Schminktante, Anja Frankenhäuser
Sommer 1989. Jahr des Mauerfall

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9. November 1989

Seit einigen Wochen trainierte ich beim Bruder meiner Tanztrainerin und ihres Mannes. Sein Club war immer der direkte Konkurent zu unserem, allerdings war seine Schwester die Leiterin des Clubs für den ich trainierte. Die Familie: ein absolutes Traditionshaus und DER Name für Gesellschaftstanz in Erfurt.
Und so stand ich eines Tages vor dem Aufwärmtraining im Tanzsaal der Tanzschule Traut in Erfurt und weder unser Trainer noch seine Frau ließen sich blicken. Dafür kursierten wilde Gerüchte, man habe beide im Fernsehen gesehen: in einer Einstellung aus der Budapester BRD-Botschaft. Keiner glaubte wirklich daran – unsere Trainer lebten für ihren Job, dachten wir. Bis dann der Trainer des Konkurrenz-Clubs vor uns stand und jene bittere Wahrheit verkündete, die wir ahnten aber nicht wahrhaben wollten: unsere Trainer waren „abgehauen“.
An jenem Abend im November 1989 kam ich müde von einem nicht besonders fruchtbringenden Tanztraining. Es waren zwei Busse ausgefallen, ich war frustriert und müde und hatte mir mit einer Freundin ein spottbilliges Taxi geteilt.
Beim Bezahlen drehte sich der Taxifahrer zu mir um und sagte:
„Ach und übrigens: die Grenzen sind auf.“
Ich: „Wie? Die Grenzen sind auf?“
Er: „Sie können ab sofort mit ihrem Personalausweis in den Westen.“
Was mir klar war: irgendwann hatten die Botschaften in Prag und Budapest dem Ansturm ausreisewilliger DDR-Bürger nicht mehr standgehalten und man hatte sie geschlossen. Einige Tage vor dem 9.November jedoch hatte man zumindest die Prager Botschaft wieder geöffnet. Also sagte ich zum Taxifahrer:
„Ich weiß, dass die Botschaften wieder offen sind.“
In diesem Moment sitzt da ein Herr mittleren Alters vor mir, es kullern Tränen aus seinen Augen und er entschuldigt sich: „Wissen Sie, ich musste miterleben, wie die die Mauer um uns herum hochgezogen haben und jetzt darf ich erleben, wie sie fällt…“
Diese Situation fand ich so bizarr, dass ich nur noch aus diesem Taxi raus wollte. Ich schaffte gerade noch, zu bezahlen und mich mich höflich zu verabschieden.
Als ich an unserer Wohnungstür ankam, stand diese sperrangelweit offen. Meine Eltern -noch in ihren Jacken- lagen sich weinend in den Armen. Radio und Fernseher liefen zur gleichen Zeit. Auf meine Frage, was zur Hölle denn mit allen los sei, drehte sich mein Vater zu mir um mit den Worten:

„Kind, wir sind frei!“

Papa Frankenhäuser

Ich bin ja wirklich eine alte Heulsuse. Aber was ich in diesem Sommer bis Winter 1989 vor lauter Erleichterung und Freude geheult habe, kann ich euch gar nicht sagen.

Am Tag nach dem Mauerfall, ging es auch im Salon drunter und drüber. Ich hatte Frühdienst, der um 6 Uhr morgens begann. Fast jede Kundin, die sich nicht noch in der Nacht zur Grenze aufgemacht hatte, kam mit einem Piccolo vorbei. Ich glaube, ich habe kaum frisiert an diesem Tag. Wir haben einfach gefeiert. Ich kann mich an niemanden erinnern, der absolut verzweifelt über den Niedergang der DDR gewesen wäre. Es war ein einziger großer Freudentaumel, der wochenlang anhielt. Für uns Ossis gab es so viel Neuland. Alle Möglichkeiten. Die Welt stand mir offen.

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Sommer 2018 … glücklich mit Ehemann. Ohne Mauerfall absolut undenkbar dieses Foto.

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9. November 2019

Heute blicke ich auf 30 erlebnisreiche Jahre zurück. Die Chance, die 1989 vor mir lag, habe ich ergriffen. Mich ausprobiert und verwirklicht. Wohlwissend, dass nach dem Mauerfall nicht alles eitel Sonnenschein blieb und dass sich der Freudentaumel schneller legte, als manch einer erwartete und dass die Wende für viele DDR-Bürger auch der Anfang von persönlichen Ende war.

Dennoch bin ich unendlich dankbar für diesen historischen Moment. Dankbar dafür, dass ich sowohl ein sozialistisches als auch ein kapitalistisches System erleben durfte, bin ich jetzt in der Lage manche Dinge ganz anders ein- und wertzuschätzen, die ich heute habe. Oder eben auch nicht mehr haben muss.

Ich wäre heute nicht die Frau, die ich bin – wäre heute nicht an dem Ort an dem ich jetzt lebe und ich wäre schonmal gar nicht mit dem Mann verheiratet, mit dem ich ein sehr zufriedenes und glückliches Leben leben darf, hätte es diesen Mauerfall nicht gegeben.

Deshalb DANKE Du 9. November ’89 !

Alles Liebe, Eure
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20 Comments
  • Ute Altepost
    November 10, 2019

    Danke Anja , für den wunderbaren Bericht ! Du bist toll und du und der „ Photobomber“ seid ein super Paar ! Lg Ute

  • Marion
    November 10, 2019

    Ups… jetzt heul ich auch! Das ist eine berührende Schilderung, Danke Anja!

  • Isabel
    November 10, 2019

    Danke für diesen tollen Post, liebe Anja. Obwohl ich zum Mauerfall in der 11. Klasse war, aber eigentlich nie „Berphrung mit der DDR“ hatte, kann ich mich so gut dran erinnern. Danke, dass Du einen Einblick in die Atmosphäre vor Ort gibst und was es für Dich persönlich bedeutet. Finde es sehr berührend.
    Schönen Sonntag noch und liebe Grüße
    Isabel

  • Katharina
    November 10, 2019

    So toll geschrieben. Schreib uns doch, wie es weiter ging. Wann bist du zum ersten Mal nach Westdeutschland gefahren. Bist du zusammen mit deinen Eltern in den Westen gegangen und wie hast du beruflich Fuß gefasst .
    Wie hast du deine ersten Tage in Westdeutschland empfunden.

  • Sansa
    November 10, 2019

    Liebe Anja,
    dies ist ein sehr schöner Beitrag. Danke!
    Liebe Grüße Sansa

  • Caroline Hazewinkel
    November 10, 2019

    Amazing story. I was 27 when the wall was broken down, and also in Holland we were over the moon! I saw the movie Das Leben der Anderen and it had a major impact on me. To be always on your guard, never to trust. Thank you for sharing your story! Warm regards, Caroline

  • Annett
    November 10, 2019

    Liebe Anja, Gänsehaut und Tränen beim Lesen deines Posts. Ich war zum Fall der Mauer 17 Jahre alt und habe diesen Sommer genauso erlebt wie du: Bekannte die über Ungarn geflohen sind, Schulkameraden die bei den Montagsdemos in Leipzig verhaftet wurden und eine riesengroße Freude und Dankbarkeit am 9. November.
    Liebe Grüße, Annett

  • Petra Krsus
    November 10, 2019

    Mir laufen die Tränen runter beim Lesen. So schön und ehrlich geschrieben. Mein jüngster Sohn ist im Sept. 89 geboren und ich war überglücklich, dass diese Mauer fiel. Heute leben meine beiden Söhne in Ostdeutschland . Liebe Anja mach weiter so, sei weiter so ehrlich und schreibe “ wie dir der Schnabel gewachsen ist“. Liebste Grüße aus Franken

  • Elke Buck
    November 10, 2019

    Liebe Anja, danke für diesen tollen Post. Ich bin eigentlich eine „stille“ Leserin deines Blogs, aber heute muss ich doch mal was dazu schreiben. Es war sehr schön über deine Kindheit, Jugend und den Mauerfall zu lesen. Du und dein Mann seid wirklich ein symphatisches und attraktives Paar. Mach bitte, bitte weiter mit deinem abwechslungsreichen Blog. Für mich selbst war das Jahr 89 auch sehr ereignisreich. Ich habe damals meine Berufsausbildung beendet, im Mai meinen Ehemann kennengelernt und mit ihm damals im September 89 unseren ersten Paarurlaub in Ungarn am Plattensee verbracht. Wir haben damals live mitbekommen, wie die ersten DDR-Bürger mit Bussen aus Ungarn nach Österreich gefahren wurden, als Ungarn die Grenzen für die DDR-Bürger öffneten. Obwohl wir damals noch jung und mit Politik noch wenig am Hut hatten, war und ist es immer noch sehr ergreifend für uns, das damals mitbekommen zu haben. Liebe Grüße aus Ba-Wü

  • Sila
    November 10, 2019

    1989 hatte ich schon länger eine Brieffreundin in der DDR. Sie schrieb immer, das sie uns einmal besuchen werde. Irgendwann. Diese leise Hoffnung eben. Und dann kam dieser Tag, die Bilder im Fernsehen, die Menschen die sich in den Armen lagen. Ich sass vor dem Fernseher und heulte mit, dachte an meine Freundin und das sie mich endlich besuchen kann. Im April 1990 war es soweit, sie kam mit Mann und Tochter zu mir und meinem Mann in die Schweiz. Und heute, 30 Jahre später sind wir immer noch befreundet. Sie ist bereits mehrfache Oma, ich werde es vielleicht auch einmal sein. Wir haben Freud und Leid geteilt und aus Briefen wurden Mails und Whats App Nachrichten – Aber, zum 09. November wird immer ein Brief ausgetauscht mit einer Rückblende. Wäre die Mauer nicht gefallen, hätten wir uns wahrscheinlich nie persönlich treffen können.
    Danke für deine Gedanken die du geteilt hast Anja!
    Herzlich
    Sila

  • Kathi F.
    November 10, 2019

    Liebe Anja, vielen Dank für deine Gedanken zum 9. November. Ich habe diese Zeit auch sehr emotional wahrgenommen. Ich habe all diese Situationen auch erlebt, ob Schule, Beruf usw. . Den Spruch mit „dem Mund halten“ , musste ich mir auch des Öfteren anhören. Mein Mann habe ich dann 1991 kennengelernt und seit dem Leben wir die deutsch— deutsche Vereinigung! Ich glaube, dass dies auch wichtig ist, weil man dann die Sichtweise aus beiden gelebten Geschichten besser lernt zu verstehen. Unsere Tochter ist im Dezember 89 geboren und sie kennt das Erlebte nur aus Erzählungen und das ist gut so!! Herzliche Grüße

  • Carola
    November 10, 2019

    Danke für die Einblicke – sehr berührend!
    Ein Stück Geschichte das wir miterleben durften. Wir waren 1988 auf Klassenfahrt in Berlin und der DDR- standen sehr ergriffen vor der Mauer. Bei der nächste Klassenfahrt 1990 nach Berlin war alles anders. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern an unsere Fassungslosigkeit 1988. LG

  • Bettina
    November 10, 2019

    DANKE, für DEINE Geschichte! Ich habe in den letzten Tage so viele berührende Lebensgeschichten gehört… ich selber habe zu dieser Zeit am „Zonenrandgebiet“ auf der „westlichen“ Seite gelebt. Für uns war diese Zeit aufregend, jedoch auch nicht immer einfach… ich persönlich hatte einige nicht so tolle Erlebnisse… Wir sollten alle dankbar sein und leider immer noch viele die Grenzen aus den Köpfen endlich durchbrechen!
    Liebe Grüße von Bettina

  • Katja
    November 10, 2019

    Tolle Geschichte! Danke! Ich war 13 und aus Dresden. Kann mich noch an die Montage 1989 erinnern, wenn mein Bruder und ich abends am Fenster gestanden haben, als die letzte Bahn kam. Immer in der Hoffnung, dass die Eltern aus der Stadt nach Hause kommen und nicht verhaftet worden. Es ist alles gut gegangen, die Demos blieben friedlich. Es war eine sehr aufregende und emotionale Zeit und auch ich wohne seit fast 18 Jahren in Baden-Württemberg und hätte wohl nicht das Leben und die Kinder, die ich jetzt habe. Bin meinen Eltern und dieser Generation sehr dankbar für den Mut und die Entschlossenheit damals.

  • Rheinesherzblut
    November 10, 2019

    DANKE Anja, für diesen persönlichen Einblick!

    LG
    Andrea

  • Ariane
    November 11, 2019

    Liebe Anja,danke für diese bewegende Geschichte,die einen neugierig macht wie es weitergeht.LG aus Kamen Ariane

  • Johanna
    November 12, 2019

    Liebe Anja!
    Mir sind die Tränen gekommen. Wie immer, wenn ich mir Genschers Worte vom Balkon der Prager Botschaft ins Gedächtnis rufe. Diesen Sommer 2019 habe ich sogar herausgefunden, dass ein langjähriger Kollege zu den Menschen in der Botschaft gehörte. Damals im September 1989 habe ich angefangen daran zu glauben, dass die Wiedervereinigung in greifbarer, realistischer Nähe ist und nicht nur ein Traum. Das Bewusstsein über Freiheit habe und werde ich nie vergessen. Danke, dass Du mich auf Deine Reise mitgenommen hast.
    An dieser Stelle möchte ich auch daran erinnern, dass es auch einen anderen schrecklichen 9. November gegeben hat, der genauso zu unserem Erbe gehört wie die Freiheit von 1989.
    Liebe Grüße
    Johanna

  • Anka
    November 13, 2019

    Hallo Anja,

    du schilderst die Stimmung wirklich treffend! Ich war zwar erst zwölf in dem Jahr und habe all die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe gar nicht recht verstanden. Aber an die Aufregung, die Aufbruchstimmung bei gleichzeitiger Wachsamkeit der Leute kann ich mich sehr gut erinnern. Und rückblickend bin ich ganz bei dir: Unser Leben wäre ohne den Mauerfall anders und sicher nicht so gut verlaufen.

    Danke für den Post. Jetzt bin ich auch ergriffen. *schnief*

  • S. Hamann
    November 13, 2019

    Liebe Schminktante,
    an den 9.11.1989 kann ich mich sehr gut erinnern. Ich saß im Bett, guckte Fernsehen und heulte vor Glück, dass ich diesen Moment erleben durfte. Einen Tag später standen bei uns in Hamburg Trabis und Wartburgs, worüber ich mich sehr freute.
    Damals war ich so naiv und dachte, dass es 25 Jahre später kein Ost und West geben würde, nur ein Deutschland. In den letzten Jahren wurde mir klar, was die Menschen in den neuen Bundesländern durchgemacht haben. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich das bewältigt hätte. Es ist wichtig, dass die Arbeit der Treuhand offen gelegt wird und wir Deutschen uns mit Freundlichkeit und Toleranz begegnen.
    Viele Grüße von Susanne aus Hamburg

  • Christiane
    November 27, 2019

    Danke für die Gänsehaut, die ich beim Lesen hatte. Es war wirklich ein Tag, den ich auch nie vergessen werde. Wie wir dort im Tanzsaal standen und nicht wussten, wie, was, warum. Ein Ehemaligentreffen ist längst fällig. Solltest du mal wieder in Erfurt sein, dann findest du einen kläglich Rest von Grün-Gold über dem Café Nerly immer noch voller Leidenschaft dem Tanzen verfallen. Ganz liebe Grüße von der Christiane